Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Wiskott-Aldrich-Syndrom (WAS) [D82.0]

OMIM-Nummer: 301000300392 (WAS)

Dr. rer. nat. Barbara Bangol, Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Wiskott-Aldrich-Syndrom (WAS) ist ein primärer Immundefekt mit der Trias Thrombozytopenie, Ekzem, Infektionen, der sowohl B- als auch T-Lymphozyten betrifft. Eine klinisch leichtere Form stellt die X-gebundene Thrombozytopenie (XLT) dar. Die Inzidenz für  WAS  wird  mit  1-10:1.000.000 wahrscheinlich unterschätzt. Klinisch können bereits bei Geburt Petechien, Hämatome und blutige Stühle  auffallen. Später tritt bei ca. 80% der Patienten ein Ekzem, ähnlich einer atopischen Dermatitis auf. Neben der Thrombozytopenie sind die Thrombozyten kleiner als normal und haben eine verminderte Aggregationsfähigkeit. Bei etwa 30% der Patienten kann es zu lebensbedrohlichen Blutungen kommen. Häufig sind bakterielle Infektionen, wie Otitis media, Sinusitis, Pneumonie, Sepsis und Meningitis sowie schwere, z.T. rekurrierende Virusinfektionen mit Herpes simplex. Etwa 40% der Patienten leiden unter Autoimmunerkrankungen wie hämolytischer Anämie, Polyarthritis, entzündlichen Darmerkrankungen und IgA-Nephritis, bei über 10% treten Malignome, v.a. EBV-assoziierte B-Zell-Lymphome auf. Labordiagnostisch imponieren eine Thrombozytopenie bei kleinen Plättchen mit gestörter Aggregation, abnorme B- und T-Zellfunktionen sowie Auffälligkeiten bei Immunglobulinen und Antikörpertests. Mit zunehmendem Alter zeigt sich eine Lymphopenie. Therapie der Wahl ist die Blutstammzelltransplantation, bzw. eine symptomatische Therapie mit Antibiotika, Immunglobulinen und bei Bedarf mit Thrombozytenkonzentraten.

Ursächlich sind Mutationen im WAS-Gen, das eine Rolle in der Organisation des Aktin-Zytoskeletts, der Signaltransduktion, Phagozytose und Apoptose spielt. Mutationen sind über das gesamte Gen verteilt, allerdings finden sich 45% in der Domäne P4/WH1. Mutationen, welche die WAS-Expression komplett unterdrücken, sind mit WAS assoziiert, teilweise inaktivierende Mutationen führen zu XLT. Überträgerinnen zeigen eine non-random X-Inaktivierung.

Literatur

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