Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (VWS) [D.68.0]

OMIM-Nummer: 193400 (Typ 1), 613554 (Typ 2), 277480 (Typ 3), 613160 (VWF)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

VWS ist eine angeborene oder erworbene Störung des Gerinnungssystems, die durch quantitative oder qualitative Veränderungen des von-Willebrand-Faktors (VWF oder Faktor 8) hervorgerufen wird. Die wichtigsten Funktionen des VWF liegen in der Förderung der Plättchenadhäsion über Glykoprotein Ib, welches an den Thrombozytenoberflächen lokalisiert ist, sowie in der Bindung von Faktor VIII, wodurch dieser vor schnellem Abbau geschützt ist. Die Thrombozytenadhäsion ist von den großen Multimeren des VWF abhängig.

Alle Funktionen des VWF sind durch Mutationen im VWF-Gen betroffen, die einen allgemeinen quantitativen Effekt auf die Expression des VWF haben. Mutationen, welche die Bildung großer Multimere beeinträchtigen, beeinflussen nur die VWF-Funktion in der primären Hämostase. Wenn hingegen die FVIII-Binderegion defekt ist, ist die Funktion in der sekundären Hämostase betroffen. Die quantitativen Effekte werden in relative Verminderung (Typ I) und absolutes Fehlen (Typ III) unterschieden. Qualitative Defekte (Typ II) sind sehr heterogen. Durch die Identifizierung spezifischer Mutationen, die mit einer reduzierten Expression des VWF, Störungen der posttranslationalen Modifikation, Beeinträchtigung des intrazellulären Transports oder funktionellen Defekten einhergehen, kann der sehr heterogene klinische Phänotyp mit dem Genotyp in Einklang gebracht werden. Die Mutationsanalyse kann bei der korrekten Diagnosestellung und Klassifikation hilfreich sein und die Wahl der adäquaten Therapie erleichtern.