Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Sie befinden sich hier: Uniparentale Disomie (UPD)

Letzte Änderung: 12.04.2016

Uniparentale Disomie (UPD) [Q99.9]

OMIM-Nummer: 608149, 176270, 105830

Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Uniparentale Disomie bedeutet, dass ein Individuum beide Exemplare (Allele) eines Chromosoms oder Teile davon von nur einem Elternteil geerbt hat. Dabei spricht man von Isodisomie, wenn es sich dabei um das gleiche elterliche Chromosom in duplizierter Form handelt bzw. von Heterodisomie, wenn die beiden verschiedenen Exemplare eines Chromosoms von nur einem Elternteil stammen. Bei den meisten Chromosomen kommt dieser Situation vermutlich keine pathologische Bedeutung zu. Probleme können dann entstehen, wenn auf dem Chromosom, das als Isodisomie von nur einem Elternteil vererbt wird, in einem rezessiven Gen eine Mutation vorliegt, die dann beim Kind durch Verdopplung dieses Chromosoms bzw. Gens homozygot wird und zur Erkrankung führt, oder wenn ein Chromosom oder eine Chromosomenregion betroffen ist, in der Gene liegen, die dem sog. Genomic Imprinting unterliegen, d.h., dass sie, je nach der elterlichen Herkunft, aktiv bzw. inaktiv sind. Dies spielt z.B. beim Prader-Willi- bzw. Angelman-Syndrom eine Rolle. Eine praktische Bedeutung hat die UPD-Diagnostik auch im Rahmen der Pränataldiagnostik, wenn z.B. in der Chorionzottenbiopsie ein Mosaik für eine Trisomie eines der Chromosomen vorliegt, von denen bekannt ist, dass eine UPD pathologische Auswirkungen hat. In diesem Fall muß untersucht werden, ob beim Ungeborenen z.B. durch eine „Trisomie-Korrektur“ eine UPD entstanden ist. Wenn die ursprüngliche Zygote trisom angelegt war, also von einem Elternteil zwei, vom anderen ein Chromosom der gleichen Sorte enthielt, kann bei einer „Trisomie-Korrektur“ auch das einzige Chromosomenexemplar des einen Elternteils verloren gehen, die beiden Chromosomen des anderen Elternteils bleiben übrig, vermeintlich liegt ein Normalzustand vor, der aber pathologische Auswirkungen haben kann.

Vereinfachtes Schema zur UPD-Entstehung durch Trisomie-Korrektur


Auch Robertson’sche Translokationen, an denen z.B. das Chromosom 14 bzw. 15 beteiligt ist, erfordern in der pränatalen Diagnostik den Ausschluß einer UPD, wobei das Risiko wahrscheinlich unter 1% liegt. Abgesehen von den in der Tabelle genannten Chromosomen, bei denen eine UPD krankheitsverursachend sein kann, gibt es auch für die Chromosomen 2, 3, 16 und 20 dementsprechende Hinweise in der Literatur, so dass bei Vorliegen einer Trisomie, auch in Mosaikform, in der Pränataldiagnostik ein UPD-Ausschluss erfolgen sollte.

Die häufigsten durch UPD verursachten Erkrankungen: die meisten sind heterogen und können auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden, wie z.B. die Mikrodeletion wie das Prader-Willi- und Angelman-Syndrom oder das Beckwith-Wiedemann-Syndrom.