Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Saethre-Chotzen-Syndrom (SCS) [Q75.0]

OMIM-Nummer: 101400601622 (TWIST1)

Dr. med. Imma Rost, Dipl.-Biol. Christina Sofeso

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das autosomal-dominant vererbte SCS gehört zur Familie der Kraniosynostosen. Betroffen ist meist die Koronarnaht mit der Konsequenz einer Brachyzephalie oder, bei einseitigem Auftreten, einer Plagiozephalie. Oft sind ein tiefer Stirnhaaransatz, eine Ptosis, Hypertelorismus und Mittelgesichtshypoplasie sowie kleine, nach hinten rotierte Ohrmuscheln zu beobachten. Auffälligkeiten an den Extremitäten sind gelegentlich Brachydaktylie und partielle Syndaktylie, v.a. zwischen den Fingern 2 und 3, sowie verbreiterte Großzehen, gelegentlich mit Spaltbildung der Endphalanx. In den meisten Fällen ist die geistige Entwicklung nicht beeinträchtigt. Wie bei einigen anderen Kraniosynostose-Syndromen besteht allerdings auch beim SCS das Risiko einer intrakraniellen Druckerhöhung.

Das SCS wird verursacht durch Mutationen im TWIST1-Gen, das  für einen Transkriptionsfaktor codiert, der u.a. für die Entwicklung mesodermaler Strukturen von Bedeutung ist. Es wurden zahlreiche verschiedene Mutationen im TWIST1-Gen – einschließlich kompletter Deletionen – gefunden. Es besteht eine  erhebliche Variabilität, auch intrafamiliär bei Trägern der gleichen Mutation. Mutationen in den Genen FGFR3, FGFR2 und TCF12 verursachen Kraniosynostose-Syndrome, die sich phänotypisch mit dem SCS überschneiden. V.a. mit dem Muenke-Syndrom ist die klinische Überschneidung groß.

 

Literatur

Fitzpatrick, Nat Genet 45:231 (2013) / Roscioli et al, Am J Med Genet 163C:259 / Sharma et al, Nat Genet 45: 304 (2013) / Seto et al, Am J Med Genet 143A:678 (2007) / Kress et al, Eur J Hum Genet 14:39 (2006) / Chun et al, Am J Med Genet 110:136 (2002) / Chotzen, Mschr Kinderheilk 55:97 (1932) / Saethre, Dtsch Z Nervenheilk 119:533 (1931)