Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Pulmonale arterielle Hypertonie [I27.0]

Dipl.-Biol. Christina Sofeso

Wissenschaftlicher Hintergrund

Unter der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) werden verschiedene Formen von Lungenhochdruckerkrankungen zusammengefasst. Die PAH kann sporadisch ohne bekannte Ursache (idiopathische pulmonale arteriellle Hypertonie, IPAH) oder familiär auftreten (hereditäre pulmonale arterielle Hypertonie, HPAH). Des Weiteren kann eine PAH im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, wie z.B. Bindegewebserkrankungen, HIV-Infektionen oder Lebererkrankungen vorkommen oder auch durch bestimmte Medikamente induziert sein. Die PAH ist gekennzeichnet durch einen mittleren pulmonal-arteriellen Druck (PAP) von > 25mmHg im Ruhezustand (bestimmt durch Rechtsherzkatheter-untersuchung) bei normalem pulmonalkapillären Verschlussdruck (Wedge-Druck) > oder gleich 15 mmHg und durch einen erhöhten Gefäßwiderstand (PVR). Durch typische Veränderungen der Lungengefäße kommt es zunehmend zu einer Gefäßverengung und somit zur Überlastung des rechten Herzens, welche letztendlich zu einem Rechtsherzversagen führen kann.

Bei der hereditären pulmonalen arteriellen Hypertonie (HPAH) handelt es sich um eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung mit unvollständiger Penetranz. Das weibliche Geschlecht ist mit ca. 2:1 häufiger betroffen. Heterozygote Mutationen (Punktmutationen sowie größere Deletionen/ Duplikationen) im BMPR2-Gen (Bone Morphogenetic Receptor 2; Mitglied der transforming growth factor beta (TGF-ß) family) konnten bisher bei etwa 75% der Patienten mit HPAH und bei ca. 15-20% der Patienten mit IPAH identifiziert werden. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um Neumutationen und um hereditäre Fälle, deren familiärer Hintergrund aufgrund der unvollständigen Penetranz oft unentdeckt bleibt. Im Durchschnitt entwickeln etwa 27% der BMPR2-Mutationsträger eine PAH, wobei die Penetranz bei Frauen mit 42% deutlich höher liegt, als bei Männern (ca. 14%).

Da Patienten mit einer PAH zumeist nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung und Belastungsdyspnoe zeigen, können 2-3 Jahre nach Auftreten der ersten Symptome vergehen, bis die Diagnose gestellt wird. Zu den initialen Symptomen zählen weiterhin Synkopen, Brustschmerzen, Palpitationen und Fußödeme. Eine frühe Diagnosefindung ist für eine erfolgreiche Therapie sehr wichtig, da ein frühzeitiger Therapiebeginn die Prognose und die Lebensqualität entscheidend verbessert. Eine molekulargenetische Diagnostik stellt dabei eine Ergänzung der gängigen diagnostischen Methoden dar.

In selteneren Fällen (ca. 1-3%) können auch Mutationen in anderen Genen, die z.T. ebenfalls in den TGF-ß Signalweg involviert sind, vorliegen (z.B. ACVRL1, ENG, SMAD9, CAV1, KCNK3, TBX4). 


Literatur

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