Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Peutz-Jeghers-Syndrom (PJS) [Q85.8]

OMIM-Nummer: 175200, 602216 (STK11)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Peutz-Jeghers-Syndrom (hamartomatöse Polyposis intestinalis) ist eine seltene, autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die in ca. 50 % der Fälle sporadisch auftritt. Die Häufigkeit wird auf 1:25.000 bis 1:280.000 geschätzt. Zwei Symptomenkomplexe sind charakteristisch: I) Hamartöse Polypen im GI-Trakt (Prädilektion des Jejunums für Invaginationen, Obturationen und intestinale Blutungen, sekundäre Anämie), II) Melaninflecken auf Lippen, Schleimhäuten, Fingern, Zehen und Vulva. Die klinischen Diagnosekriterien wurden 2010 festgelegt. Patienten zeigen eine Disposition für gastrointestinale Tumoren sowie ein erhöhtes Risiko für Ovarial-, Cervix-, Pankreas-, Lungen-, Hoden und Brustkrebs. Anlageträger haben ein bis zu 90 %iges Kumulativrisiko, im Laufe des Lebens an einem intestinalen oder extraintestinalen Tumor zu erkranken.

Ursache sind Mutationen im STK11 (LKB1)-Gen, welches für eine Serin-Threonin-Kinase mit Tumorsuppressor-Aktivität codiert. Inaktivierende Mutationen führen zur Fehlregulation des mTOR-Signalübertragungsweges, der bei der Enstehung von hamartomatösen Syndromen eine zentrale Rolle spielt. Bei Patienten mit klinisch gesicherter Diagnose und positiver Familienanamnese liegt die Detektionsrate für Punktmutationen im STK11-Gen bei etwa 70%, bei sporadischen Fällen bei 20-60%. Da 15-30% aller Mutationen im STK11-Gen Deletionen einzelner oder mehrerer Exons sind, kann die Sensitivität der Untersuchung bei Kombination mehrerer Methoden (z.B. Mutationssuche mittels DNA-Sequenzanalyse und MLPA (Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification) auf über 90% gesteigert werden.

Bei der prädiktiven Diagnostik werden gesunde Risikopersonen untersucht, in der Regel erstgradige Verwandte von Betroffenen. Laut Gendiagnostikgesetz (GenDG) soll bei jeder diagnostischen genetischen Untersuchung eine genetische Beratung angeboten werden. Bei prädiktiver genetischer Diagnostik muss laut GenDG vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Resultates genetisch beraten werden, außer es liegt eine schriftliche Verzichtserklärung der Risikoperson nach schriftlicher Aufklärung über die Beratungsinhalte vor. Gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften sollte eine psychotherapeutische Betreuung vor, während und nach der Untersuchungsphase bestehen.

Literatur

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