Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Otospondylomegaepiphysäre Dysplasie (OSMED) [Q78.9]

OMIM-Nummer: 215150, 120290 (COL11A2)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

OSMED ist eine autosomal-rezessive Erkrankung des Bindegewebes, die mit schwerem nicht-progressivem sensineuralem Hörverlust, erweiterten Epiphysen, dysproportional kurzen Extremitäten und Missbildungen der Wirbelsäule einhergeht. Der klinische Phänotyp des Skelletts überlappt mit den autosomal-dominant vererbten Erkrankungen Stickler- und Marshall-Syndrom. Diffenzialdiagnostisch findet man bei der OSMED jedoch neben den kurzen, dysproportionierten Extremitäten keine Augensymptomatik. Charakteristisch sind weiterhin faciale Dysmorphien wie z.B.  Mittelgesichts-Hypoplasie mit  einer  kurzen nach oben gerichteten Nase und eine eingesunkene Nasenwurzel.

Bisher sind weniger als 30 unabhängige Fälle von OSMED beschrieben, von denen die meisten Mutationen im COL11A2-Gen aufweisen. Es gibt jedoch auch Einzelfälle mit COL2A1-Mutation. Das Produkt des COL11A2-Gens ist Bestandteil des Kollagen Typ XI, das ein Hetero-Trimer aus α1(XI), α2(XI) und α3(XI) ist. α3(XI) wird durch das COL2A1-Gen codiert und unterscheidet sich von α1(II) nur durch seine stärkere posttranslationale Modifikation. Zudem scheint es eine Interaktion von Kollagen Typ XI und II zu geben, die einen Einfluss auf die Regulation des Durchmessers der Kollagen-Fibrillen hat. Hierdurch erklärt sich auch das überlappende Spektrum phänotypischer Merkmale von OSMED und Kollagen Typ II-Erkrankungen.

Literatur

Tokgöz-Yilmaz et al, Int J Pediatr Otorhinolaryngol 75:433 (2011) / Temtami et al, Am J Med Genet 140:1189 (2006) / Melkoniemi et al,  Am J Hum Genet 66:368 (2000)