Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Nephronophthise (NPHP) [Q61.8]

Dr. med. Sandra Dölken, Dipl.-Biol. Christina Sofeso

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei NPHP handelt es sich um eine autosomal-rezessiv vererbte zystische Nierenerkrankung, die für 6–10% des terminalen Nierenversagens bei Kindern verantwortlich gemacht wird und damit ursächlich für ca. 10% der Nierentransplantationen im Kindesalter ist. Zusätzlich werden bei 10-15% der Patienten extrarenale Manifestationen, wie z.B. Retinitis pigmentosa (Senior-Løken-Syndrom), okulomotorische Apraxie Typ Cogan (Cogan-Syndrom) sowie Sehnervkolobome und Kleinhirnwurmaplasie (Joubert-Syndrom) beobachtet. Die Häufigkeit für NPHP wird mit ca. 1:100.000 angegeben.

Bei der NPHP sind immer beide Nieren in den Krankheitsprozess involviert. Makroskopisch fällt bei normal großen oder nur geringfügig verkleinerten Nieren oberflächlich eine feine Granulierung auf. Im Bereich der Rinden-Mark-Grenze bilden sich 5 bis mehr als 50 Zysten aus, die einen Durchmesser zwischen 5 und 15 mm einnehmen können. Lichtmikroskopisch werden im frühen Stadium der NPHP die charakteristischen Veränderungen einer stark verdickten tubulären Basalmembran sowie einer lymphohistiozytären, peritubulären Infiltration festgestellt, die später in eine diffus sklerosierende, tubulointerstitielle Nephropathie münden. Elektronenmikroskopisch können Verdickungen, Aufsplitterungen und Fältelungen mit  Fibroblasteneinlagerung  festgestellt werden.

NPHP zählt zu den sogenannten Ziliopathien und weist eine große Genlocus-Heterogenität auf. Bisher konnten Mutationen in 25 Genen in Assoziation mit NPHP identifiziert werden. Bei ca. 85% der Patienten mit NPHP kann eine homozygote Deletion des NPHP1-Gens nachgewiesen werden.


Literatur

Chaki et al, Kidney Int 80:1239 (2011) / Hoefele et al, Der Nephrologe 2:372 (2007) / Hildebrandt & Omran, Pediatr Nephrol 16:168 (2001) / Hildebrandt et al, Kidney 51:261 (1997)