Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Mittelketten-Acyl-CoA-Dehydrogenase (MCAD)-Defizienz [E71.3]

OMIM-Nummer: 201450, 607008 (ACADM)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei MCAD-Defizienz handelt es sich um eine autosomal-rezessiv vererbte Störung der β-Oxidation der Fettsäuren. Eine Studie von über 930.000 Neugeborenen in den USA hat eine Inzidenz von 1:15.000 ergeben. Frühere Schätzungen für die kaukasische Bevölkerung liegen in derselben Größenordnung. Wahrscheinlich handelt es sich um die häufigste Störung des Fettsäurestoffwechsels überhaupt. Die Erkrankung ist durch die Intoleranz gegenüber Fastenperioden gekennzeichnet. Homozygote Anlageträger erkranken oft im Säuglingsalter nach Fastenperioden infolge von Virusinfekten. Sie leiden typischerweise an wiederholtem Erbrechen, einer hypoketotischen Hypoglykämie und sind lethargisch bis komatös. In seltenen Fällen kann die Erkrankung auch zum plötzlichen Kindstod führen. Die biochemische Diagnose kann über die Bestimmung von Acetylcarnithin im Blut erfolgen. MCAD-Defizienz wird heute in den meisten Fällen im Rahmen des Neonatal-Screenings durch Tandem-Massenspektrometrie erfasst.

MCAD-Defizienz wird verursacht durch Mutationen im Medium-chain Acyl-CoA Dehydrogenase- Gen (ACADM). Die häufigste Mutation, die zur Aminosäuresubstitution Lys329Glu führt, ist in ca. 90% der Chromosomen von Patienten mit MCAD-Defizienz nachweisbar. Bei den meisten Patienten liegt die Mutation homozygot, bei ca. 1/5 der Patienten in kombiniert heterozygoter Form vor.

Literatur

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