Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Meulengracht- (Gilbert-) Syndrom [E80.4]

OMIM-Nummer: 143500, 191740 (UGT1A1)

Dipl.-Biol. Christine Nitsch, Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Meulengracht- (Gilbert-) Syndrom führt zu einer milden, chronisch stabilen oder intermittierenden, unkonjugierten Hyperbilirubinämie ohne eine strukturelle Lebererkrankung oder Hämolyse. Es ist die häufigste Erkrankung des hepatischen Bilirubin-Stoffwechsels und eine der häufigsten Ursachen für einen Ikterus neonatorum. Die Bilirubinkonzentration im Serum liegt bei etwa 1-6 mg/dl.

Das Meulengracht- (Gilbert-) Syndrom beruht auf einer angeborenen, autosomal-rezessiv vererbten Einschränkung der Synthese der Bilirubin-UDP-Glukuronyltransferase auf rund 30% Restaktivität. Ursache der Synthesestörung ist in den meisten Fällen eine Dinukleotidexpansion [TA]6>[TA]7 (rs3064744) im Bereich der TATA-Box des UGT1A1-Promotors, wodurch die Transkriptionsrate des Gens herabgesetzt ist. Die Häufigkeit der homozygoten Träger des [TA]7-Polymorphismus in der Gesamtbevölkerung liegt bei 10-19%, die Zahl der klinisch manifesten Fälle wird auf 2-12% geschätzt. Der Phänotyp wird durch Umweltfaktoren und Ernährung (Fett-, Alkohol- und Nikotingenuss) modifiziert. Die klinische Diagnose erfolgt durch eine 400 Kalorien-Diät über 24 h, wodurch es bei den meisten homozygoten Merkmalsträgern zu einem Anstieg des Serumbilirubins kommt. Bereits Heterozygotie für das [TA]7-Allel ist mit einer Arzneimittelunverträglichkeit unter Irinotecan-Therapie assoziiert.