Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Marshall-Syndrom [M35.9]

OMIM-Nummer: 154780, 120280 (COL11A1)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Beim Marshall-Syndrom handelt es sich um eine autosomal-dominant vererbte Bindegewebsdysplasie, deren Häufigkeit auf 1:10.000 geschätzt wird. Die Erkrankung ist ähnlich dem Stickler-Syndrom durch Mittelgesichtshypoplasie, starke Kurzsichtigkeit und sensineurale Schwerhörigkeit gekennzeichnet. Patienten mit Marshall-Syndrom sind jedoch besonders oft kleinwüchsig, taub und zeigen stärker ausgeprägte Dysmorphiezeichen.

Die molekulare Ursache der Erkrankung liegt in einer Störung des Kollagen Typ XI, welches aus Heterotrimeren dreier unterschiedlicher Ketten a1(XI), a2(XI), a3(XI) aufgebaut ist. Die Ketten a1(XI), a2(XI) sind die Genprodukte von COL11A1 und COL11A2; a3(XI) ist ein posttranslational modifiziertes Produkt des COL2A1-Gens. Das Marshall-Syndrom ist auf Mutationen im COL11A1-Gen zurückzuführen, häufig sind Spleißmutationen für ein fehlerhaftes Protein verantwortlich. Da beim Stickler-Syndrom in Ausnahmefällen auch das COL11A1-Gen betroffen ist, welches ebenfalls für Komponenten des Kollagen Typ XI codiert, erklärt sich aus der molekularen Pathologie das überlappende Spektrum klinischer Symptome beider Syndrome. Mutationen im COL11A2-Gen sind hingegen die Ursache der autosomal-rezessiv vererbten otospondylomegaepiphysären Dysplasie mit missgebildeten Extremitäten bei fehlender Augensymptomatik.