Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Malignes Melanom, familiäre Form Typ2 (CMM2) [C43.9]

OMIM-Nummer: 155601, 600160 (CDKN2A)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Melanome gehören zu den häufigsten Tumorerkrankungen, deren Inzidenz in der westlichen Bevölkerung mit 1 : 2.500 - 25.000 angegeben wird. Das Erkrankungsrisiko steigt nach dem 20. Lebensjahr stark an. Hellhäutige Personen mit starker UV-Exposition sowie Individuen mit dysplastischen oder besonders zahlreichen Nävi haben ein besonders hohes Risiko.

Im Zusammenhang mit familiärem Melanom konnte ein Tumorsuppressor-Gen (CDKN2A) identifiziert und funktionell charakterisiert werden. Das vom CDKN2A-Gen codierte Protein (p16) interagiert mit der Cyclin-abhängigen Kinase 4 (CdK4), wodurch die Progression der Zellen in die G1-Phase des Zellzyklus gehemmt wird. Durch Mutationen im CDKN2A-Gen wird die Interaktion von p16 mit Cdk4 vermindert und der Zellzyklus beschleunigt. Der fehlende Kontrollschritt kann zur malignen Zelltransformation führen. Bezüglich seiner universellen Funktion bei der Tumorigenese scheint p16 mit p53 zu konkurrieren. CDKN2A ist sowohl in verschiedensten primären Tumorzellen als auch in Tumorzelllinien häufig homozygot mutiert bzw. deletiert. Bei familiärem Melanom findet man in 25 - 50% der Familien ein mutiertes CDKN2A-Allel in der Keimbahn. Wie bei anderen Tumorsuppressor-Genen wurde auch bei CDKN2A ein Verlust der Heterozygotie (LOH) bzw. homozygote Deletionen in Tumorzellen nachgewiesen.

Bei der prädiktiven Diagnostik werden gesunde Risikopersonen untersucht, in der Regel erstgradige Verwandte von Betroffenen. Laut Gendiagnostikgesetz (GenDG) soll bei jeder diagnostischen genetischen Untersuchung eine genetische Beratung angeboten werden. Bei prädiktiver genetischer Diagnostik muss laut GenDG vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Resultates genetisch beraten werden, außer es liegt eine schriftliche Verzichtserklärung der Risikoperson nach schriftlicher Aufklärung über die Beratungsinhalte vor. Gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften sollte eine psychotherapeutische Betreuung vor, während und nach der Untersuchungsphase bestehen.