Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Lecithin-Cholesterin Acyltransferase- (LCAT-) Defizienz [E78.6]

OMIM-Nummer: 245900, 606967 (LCAT)

Dr. med. Hanns-Georg Klein

Wissenschaftlicher Hintergrund

Primäre LCAT-Defizienz ist ein seltener, autosomal-rezessiv vererbter Enzymdefekt des extrazellulären Cholesterinstoffwechsels. LCAT wird von der Leber sezerniert und ist für die Veresterung von freiem Cholesterin im Blut verantwortlich. LCAT-Mangel ist mit Reifungs- oder Metabolisierungsstörungen der HDL-Partikel assoziiert, bei der es zur Anhäufung unreifer HDL-Vorstufen kommt. Das Leitsymptom ist Hypoalphalipoproteinämie (HDL-C < 10 mg/dl) bei gleichzeitig bestehender Hornhauttrübung (nicht zu verwechseln mit Arcus lipoides). Charakteristisch sind neben einer milden, reaktiven Hypertriglyceridämie ein reduzierter Anteil von Cholesterinestern am Gesamtcholesterin (<60%). Darüber hinaus können atypische Lipoproteine (z.B. LpX) nachgewiesen werden. Im Verlauf kommt es durch Lipidablagerungen zu Glomerulosklerose, die zur transplantationspflichtigen Niereninsuffizienz führen kann, sowie einer normochromen Anämie, die durch eine verminderte osmotische Resistenz der Erythrozyten bedingt ist. Demgegenüber ist Fish Eye Disease, der ein partieller LCAT-Mangel zugrunde liegt, nicht mit Glomerulosklerose und Anämie assoziiert.

Die molekulare Ursache für LCAT-Defizienz sind Mutationen im LCAT-Gen auf Chromosom 6. Bislang konnten mehr als 70 Mutationen identifiziert werden, die über das gesamte Gen verteilt sind. Eine Enzymersatztherapie ist derzeit in Erprobung. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass auch bei LCAT-Mangel ein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankung besteht. Differentialdiagnostisch ist LCAT-Mangel von Apo-A-I- und ABCA1-Defizienz (Tangier-Erkrankung) abzugrenzen, die ebenfalls mit Hypoalphalipoproteinämie assoziiert sind, jedoch ein deutlich höheres Koronarrisiko aufweisen.

Literatur

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