Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Kniest-Syndrom [Q78.9]

OMIM-Nummer: 156550120140 (COL2A1)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Beim Kniest-Syndrom handelt es sich um eine seltene, genetisch bedingte spondylometaepiphysäre Dysplasie. Weltweit sind derzeit ca. 200 Fälle bekannt. Es handelt sich um eine Erkrankung mit autosomal-dominantem Erbgang. Charakteristisch sind dysproportionierter Kleinwuchs, eine progrediente Dysplasie des Achsen- und Extremitätenskeletts, eine flache Gesichtskontur und die Unfähigkeit, eine geschlossene Faust zu bilden. Verdickungen und Bewegungseinschränkungen der Gelenke können zur Gehunfähigkeit führen. Histologisch imponiert der Gelenkknorpel wie löchriger Schweizerkäse. Des Weiteren treten häufig Myopie, Erblindung durch Netzhautablösung, Schwerhörigkeit, Osteoporose und Gaumenspalten auf. Der Formenkreis dieser Bindegewebserkrankungen wird gemeinsam mit Achondrogenesie, Hypochondrogenesie, spondylo-epiphysärer Dysplasie und Stickler-Syndrom auch unter dem Begriff Kollagen Typ II-Erkrankungen zusammengefasst. Beim Kniest-Syndrom findet man häufig Deletionen oder Spleißmutationen, die zum funktionellen Verlust eines Allels führen.

Als Ursache konnten Sekretionsdefekte des Typ II-Kollagens identifiziert werden, die wiederum mit Mutationen im COL2A1-Gen assoziiert sind. Die meisten beschriebenen Strukturdefekte sind in-frame-Mutationen, die durch kleine Deletionen oder Spleißmutationen verursacht werden.