Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Hypobetalipoproteinämie, familiär (FHBL) [E78.6]

OMIM-Nummer: 605019, 107730 (APOB)

Dr. med. Hanns-Georg Klein

Wissenschaftlicher Hintergrund

Familiäre Hypobetalipoproteinämie ist eine heterogene Gruppe autosomal-dominanter Störungen des Stoffwechsels von Apolipoprotein B-haltigen Lipoproteinen, die auf funktionsgestörte Varianten von Apo B zurückgehen. Apo B als wichtigster Bestandteil von LDL und VLDL spielt einerseits für die hepatische Synthese ("Assembly") von VLDL eine wichtige Rolle, andererseits als Ligand für den APO B/E- bzw. LDL-Rezeptor für die Wiederaufnahme von LDL durch die Leber. Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften der mutanten, zum größten Teil verkürzten Apo B-Polypeptide ist der klinische Phänotyp sehr variabel und kann in seltenen Fällen (Null-Allel-Varianten des APOB-Gens) der Abetalipoproteinämie ähneln.

Ursache der Erkrankung sind Mutationen im APOB-Gen, die meist zur Expression eines trunkierten Apo B-Proteins führen. Dabei korreliert die hepatische Sekretionsrate von Apo B-haltigen Lipoproteinen mit der Länge der verkürzten Polypeptide. Heterozygote Anlageträger (Häufigkeit ca. 1:3.000) zeigen bis auf moderat reduzierte Serum-Cholesterin- oder Triglycerid-Konzentrationen und eine Abschwächung der Sehnenreflexe kaum klinische Auffälligkeiten. Behandlungsbedürftig sind nur Zustände, die mit merklichen neurologischen Störungen einhergehen. In diesen Fällen wird entsprechend der Abetalipoproteinämie mit diätetischen Maßnahmen und einer Substitution von Vitamin A und E behandelt. Heterozygote Anlageträger haben aufgrund der reduzierten LDL- und VLDL-Spiegel ein eher geringeres Koronarrisiko als die Normalbevölkerung.