Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

HNF1B-assoziierte kongenitale Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege (CAKUT) [Q63.9]

OMIM-Nummer: 137920, 189907 (HNF1B)

Dipl.-Biol. Christina Sofeso

Wissenschaftlicher Hintergrund

Angeborene Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege (Congenital Anomalies of the Kidney and Urinary Tract, CAKUT) werden bei ca. 3-6 auf 1.000 Neugeborene beobachtet und sind die Hauptursache für chronisches Nierenversagen im Kindesalter. Es konnten Mutationen in mehreren Genen identifiziert werden, die mit CAKUT assoziiert sind. CAKUT umfasst ein großes Spektrum an strukturellen und funktionellen Malformationen, was zu einer defekten Morphogenese der Nieren und/oder ableitenden Harnwege führt. Das phänotypische Spektrum reicht von vesikoureteralem Reflux bis hin zur Nierenagenesie.

HNF-1β, ein Transkriptionsfaktor, wird als essentieller Faktor für die embryonale Entwicklung der Nieren und der ableitenden Harnwege, des Pankreas und der Leber angesehen. Mutationen und Deletionen in dem dafür codierenden HNF1B-Gen werden u.a. bei Patienten mit bilateralen Nierenfehlbildungen (Nierenhypoplasie, multizystisch dysplastische Nieren (MCDK), Zystennieren und Einzelnieren) sowie bei Patienten mit einem MODY-Diabetes Typ 5 beobachtet. Desweiteren gibt es erste Hinweise für eine oligogene Vererbung bei Patienten mit autosomal-dominanter polyzystischer Nierenerkrankung (ADPKD), d.h. es ist sowohl eine Mutation im PKD1-, als auch im HNF1B-Gen nachweisbar. Dieser Erbgang könnte die intrafamiliäre Variabilität bei ADPKD erklären.

Literatur

Bergmann et al, J AM Soc Nephrol 22:2047 (2011) / Saisawat et al, Kidney Int 81:196 (2011)