Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Sie befinden sich hier: HDL-Mangel-Syndrom (Hypoalphalipoproteinämie)

Letzte Änderung: 12.04.2016

HDL-Mangel-Syndrom, primäres (Hypoalphalipoproteinämie) [E78.6]

OMIM-Nummer: 604091, 606967 (LCAT), 107680 (APOA1), 600046 (ABCA1)

Dr. med. Hanns-Georg Klein

Wissenschaftlicher Hintergrund

Primäre Hypoalphalipoproteinämie (HDL-Cholesterin < 10 mg/dl) wird durch eine Bildungs-, Reifungs- oder Metabolisierungsstörung der HDL-Partikel hervorgerufen. Typisch für HDL-Mangelzustände sind das Auftreten von unreifen HDL-Vorstufen im Plasma und Lipidablagerungen in parenchymatösen Organen und der Cornea (Hornhauttrübungen, nicht zu verwechseln mit Arcus lipoides). Im wesentlichen sind Mutationen in 3 Genen für die Störung verantwortlich:

  1. Lecithin-Cholesterin Acyltransferase (LCAT), ein Glykoprotein, welches von der Leber gebildet und sezerniert wird, ist für die Veresterung von freiem Cholesterin im Plasma zuständig. Mutationen im LCAT-Gen führen zu LCAT-Defizienz oder Fish Eye Disease. Das Koronarrisiko ist bei homozygoten Anlageträgern wahrscheinlich erhöht.

  2. Apolipoprotein A-I (Apo A-I), ein Strukturprotein der HDL-Partikel, ist der wichtigste Kofaktor für die LCAT-Aktivierung. Apo A-I-Defizienz ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für KHK assoziiert.

  3. ATP-binding Cassette Transporter 1 (ABCA1), ein Membranprotein, ist am Cholesterin-Efflux aus der Zelle beteiligt. Mutationen im ABCA1-Gen führen zu der seltenen Tangier-Erkrankung mit orangefarbenen Tonsillen, Hepatosplenomegalie und Neuropathie. Das Koronarrisiko ist moderat erhöht.