Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Generalisierte Epilepsie mit Fieberkrämpfen plus (GEFS+)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei der generalisierten Epilepsie mit Fieberkrämpfen Plus (GEFS+) handelt es sich um ein autosomal-dominantes Epilepsie-Syndrom mit großer phänotypischer Variabilität innerhalb derselben Familie. Charakteristisch sind Fieberkrämpfe auch nach dem sechsten Lebensjahr und eine Fieber-unabhängige, generalisierte tonisch-klonische Epilepsie, die mit Absencen, myoklonischen, atonischen oder fokalen Anfällen assoziiert sein kann.

Mutationen im SCN1A-Gen, das für die α1-Untereinheit eines neuronalen Natriumkanals codiert, sind mit 10-20% die häufigste Ursache für GEFS+. Dabei handelt es sich in der Regel um Aminosäureaustausche im SCN1A-Gen, die sowohl die Ursache der schweren myoklonischen Epilepsie des frühen Kindesalters (SMEI) als auch der GEFS+ sein können, wobei Missense-Mutationen in der Porenregion des Natriumkanals häufiger mit der schwer verlaufenden SMEI assoziiert sind. Neben SCN1A-Mutationen sind bei GEFS+ auch Mutationen in zwei weiteren Genen für neuronale spannungsabhängige Natriumkanäle (SCN1B und SCN2A) sowie in den Genen für die γ2-Untereinheit und die δ-Untereinheit des GABA-Rezeptors (GABRG2 und GABRD) beschrieben. Mutationen im SCN1B-Gen, das für die β1-Untereinheit eines neuronalen Natriumkanals kodiert, wurden erst bei sieben Familien mit GEFS+ beschrieben. Die bisher sechs beschriebenen Mutationen im GABRG2-Gen, das für die γ 2-Untereinheit des GABA-Rezeptors codiert, sind die Ursache in etwa 1% der untersuchten Patienten mit GEFS+ oder kindlicher Absence-Epilepsie mit Fieberkrämpfen. Mutationen im SCN2A-Gen, das für die α2-Untereinheit eines neuronalen Natriumkanals codiert, spielen bei GEFS+ nur eine untergeordnete Rolle, da bisher erst bei Einzelfällen Missense-Mutationen beschrieben sind, während alle anderen SCN2A-Mutationen bei Patienten mit benigner familiärer neonatal-infantiler Epilepsie identifiziert wurden. Die kombinierte Mutationsdetektionsrate bei GEFS+ für alle fünf Gene beträgt 8-17%.

Literatur

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