Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Ehlers-Danlos-Syndrom Arthrochalasis Typ (EDS Typ VIIA und VIIB) [Q79.6]

OMIM-Nummer: 130060, 120150 (COL1A1), 120160 (COL1A2)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Der sehr seltene EDS Typ VIIA/B (Arthrochalasis) wird autosomal-dominant vererbt. Charakteristisch sind eine extreme, generalisierte Überstreckbarkeit der Gelenke, verbunden mit Gelenksubluxationen sowie eine angeborene, beidseitige Hüftluxation. Ursache sind Mutationen in den Kollagen-Genen COL1A1 und COL1A2, die für die α1- und α2-Ketten des in der Haut und im Knochen vorherrschenden Typ I-Kollagens kodieren.

Fast alle der bisher beschriebenen Mutationen betreffen jeweils Exon 6 des COL1A1-Gens (EDS Typ VIIA) bzw. des COL1A2-Gens (EDS Typ VIIB). Dies sind vor allem Spleißmutationen, aber auch genomische Deletionen, wodurch in jedem Fall die  Erkennungsstelle für die Abspaltung der N-terminalen Propeptide in den α-Ketten des Typ I-Prokollagens eliminiert wird. Unvollständig prozessierte Prokollagen-Ketten können auch biochemisch und elektronenmikroskopisch durch eine charakteristische Ultrastruktur nachgewiesen werden. Bisher wurden nur einzelne Mutationen außerhalb dieser definierten Regionen bei EDS Typ VIIA/B beschrieben, wobei die betroffenen Patienten daneben auch Symptome einer Osteogenesis imperfecta aufwiesen. Am häufigsten sind Mutationen im COL1A2-Gen, die dann  mit einer kongenitalen Hüftluxation und anderen Gelenkinstabilitäten assoziiert sind. Seltener ist eine Mutation in COL1A1 die Ursache für EDS Typ VII. Da jeweils zwei a1-Ketten und eine a2-Kette ein Heterotrimer ausbilden, ist durch COL1A1-Mutationen bei EDS Typ VIIA ein schwererer Phänotyp als bei EDS Typ VIIB zu erwarten.

Literatur

Giunta et al, Am J Med Genet 146A.1341 (2008) / Lund et al, Clin Genet 73:97 (2008) / Cabral et al, J Biol Chem  280:19259 (2005) / Malfait et De Paepe, Am J Med Genet 139C:17 (2005) / Nicholls et al, J Med Genet 37:E33 (2000) / Byers et al, Am J Med Genet 72: 94 (1997)