Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Ehlers-Danlos-Syndrom kyphoskoliotischer Typ (EDS Typ VIB) [Q79.6]

OMIM-Nummer: 601776, 608429 (CHST14), 614557, 614505 (FKBP14)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Der autosomal-rezessiv vererbte kyphoskoliotischer Typ (EDS Typ VI) ist genetisch heterogen. Charakteristische klinische Symptome sind Kyphoskoliose, Muskelhypotonie, überdehnbare dünne verletzliche Haut, atrophe Narbenbildung, überbewegliche Gelenke und variable Augenbeteiligung. Weiterhin verschiedene kraniofaziale Auffälligkeiten, Gelenkkontrakturen und runzelige Handflächen.

Bei einem Großteil der Patienten wird die Erkrankung durch eine Mutation im PLOD1-Gen verursacht, das für das Enzym Lysylhydroxylase 1 (LH) codiert (EDS Typ VIA). Das Fehlen des Enzyms LH kann auch durch ein erhöhtes Verhältnis der Quervernetzungen von Lysyl-Pyridinolin (LP) zu Hydroxylysyl-Pyrodinolin (HP) im Urin nachgewiesen werden.

Ein kleiner Teil der Patienten mit identischer Klinik hat einen unauffällige LP/HP-Quotienten im Urin und keine PLOD1-Mutation (EDS Typ VIB). Bei einem Teil dieser Patientengruppe wurden homozygote oder kombiniert heterozygote Mutationen im CHST14-Gen (Carbohydrat Sulfotransferase 14) identifiziert, das für Dermatan 4-O-Sulfotransferase 1 (D4ST1) codiert. Der klinische Phänotyp dieser Patienten mit D4ST1-Defizienz wird auch als EDS muskulokontraktureller Typ bezeichnet. Bereits 2009 wurden CHST14-Mutationen als Ursache der Daumen-adduzierten Arthrogrypose, Typ Dündar mit Klumpfuß (ATCS) beschrieben. Da es derzeit nicht klar ist, ob es sich tatsächlich um verschiedene klinische Entitäten handelt, wurde die Bezeichnung D4ST1-defizientes EDS vorgeschlagen. Bisher sind in der Literatur erst acht Missense-Mutationen und drei Frameshift-Mutationen im CHST14-Gen beschrieben.

2012 wurde differentialdiagnostisch zu EDS Typ VIA und D4ST1-defizientem EDS eine weitere autosomal-rezessive EDS-Form mit unauffälligem LP/HP-Quotienten beschrieben: EDSKMH. Hier ist neben progressiver Kyphoskoliose, Muskelhypotonie, Gelenküberbeweglichkeit, hyperelastischer Haut und Myopathie besonders der sensineurale Hörverlust charakteristisch. Ursache sind Mutationen im FKBP14-Gen, das für das FK506-binding protein 14, einem Mitglied der Peptidyl-Prolyl cis-trans Isomerasen (PPIasen) codiert. Bisher sind erst zwei verschiedene homozygote bzw. kombiniert heterozygote Mutationen im FKBP14-Gen bei fünf Familien beschrieben.