Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Ehlers-Danlos-Syndrom kyphoskoliotischer Typ (EDS Typ VIA) [Q79.6]

OMIM-Nummer: 225400, 153454 (PLOD1)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

EDS Typ VI (kyphoskoliotischer Typ) folgt einem autosomal-rezessivem Erbgang. Die Inzidenz des sehr seltenen EDS-Typs unter Neugeborenen wird auf 1:100.000 geschätzt. Charakteristisch sind eine fragile, überdehnbare Haut mit schlechter Wundheilung, atropher Narbenbildung und Hämatomneigung, eine generalisierte Überbeweglichkeit der Gelenke, Muskelhypotonie bei Geburt, sowie eine früh beginnende und progressive Skoliose. Augenbeteiligung in Form einer Mikrokornea ist häufig. Die Verletzlichkeit der Lederhaut kann zur Ruptur des Augenbulbus nach kleineren Traumata führen.

Bei einem Großteil der Patienten wird die Erkrankung durch eine Mutation im Gen für das Enzym Lysylhydroxylase 1 (LH1) verursacht (EDS Typ VIA). LH ist für die Hydroxylysin-abhängige Pyridinolin-Quervernetzung von Typ I und Typ III Kollagen verantwortlich, das hauptsächlich im Skelett zu finden ist. Dies ist wiederum Voraussetzung für die Quervernetzung der Kollagenfibrillen, die ihnen Zugfestigkeit verleiht. Unterhydroxylierte Kollagenfibrillen sind dadurch in ihrer Stabilität schwer beeinträchtigt.

Lysylhydroxylase 1 (LH) wird vom Gen PLOD1 (Prokollagen-Lysin 2-Oxoglutarat 5-Dioxygenase 1) auf Chromosom 1p36.3-36.2 codiert. Bisher ist es das einzige Gen, bei dem Mutationen zu LH1-Defizienz führen. Insgesamt sind mehr als 30 verschiedene PLOD1-Mutationen bei Patienten mit EDS Typ VIA bekannt, darunter ist eine 8,9 kb Duplikation von sieben Exons mit einer Allelfrequenz von 19% besonders häufig.

Das Fehlen des Enzyms LH1 kann auch durch ein erhöhtes Verhältnis der Quervernetzungen von Lysyl-Pyridinolin (LP) zu Hydroxylysyl-Pyrodinolin (HP) im Urin nachgewiesen werden.

Ein klinisch nicht unterscheidbares Krankheitsbild bei Patienten mit unauffälligem LP/HP-Quotienten im Urin und normaler LH1-Aktivität ohne PLOD1-Mutationen wird  als EDS Typ VIB Subtyp bezeichnet. EDS Typ VIB ist derzeit schlecht definiert. Sowohl die EDS-Subtypen mit DST14-Defizienz, FKBP14-Defizienz, EDS Sponylocheiro dysplastische Form (SCD-EDS) als auch Brittle Cornea Syndrom Typ 1 (BCS1) können zu dieser Gruppe gezählt werden.

Literatur

Rohrbach et al, Orphanet J Rare Dis 6:46 (2011) / Yis et al, Neuromuscul Disord 18: 210 (2008) / Giunta et al, Mol Genet Metab 86: 269 (2005) / Yeowell et Walker, Mol Genet Metab 71: 212 (2000) / Hautala et al, Genomics 15: 399 (1993) / Hyland et al, Nat Genet 2: 228 (1992)