Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Ehlers-Danlos-Syndrom vaskulärer Typ (EDS Typ IV) [Q79.6]

OMIM-Nummer: 130050, 120180 (COL3A1)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Charakteristisch für den vaskulären EDS Typ IV ist neben verletzlicher, durchscheinender Haut v.a. ein hohes Risiko für Rupturen von Arterien, Uterus und innerer Organe mit fatalen Blutungen. Häufig kann eine typische Fazies die klinische Diagnose unterstützen. Der Erbgang ist autosomal-dominant, die Prävalenz wird auf 1:50.000 geschätzt. Ursächlich sind Mutationen im COL3A1-Gen (α1-Kette des Typ III-Kollagens). Bislang sind mehr als 200 verschiedene Mutationen bekannt, mehr als 50% sind Neumutationen. Das Mutationsspektrum umfasst zu 60% Missensemutationen (meist Glycin-Substitutionen innerhalb der Tripelhelix) und zu 30% Spleissmutationen sowie Frameshift-Mutationen. Strukturelle Mutationen beeinträchtigen in der Regel die  Ausbildung von Homotrimeren, was dazu führt, dass bei Heterozygotie 90% Trimere entstehen, die mindestens eine mutante α1-Kette enthalten und nicht sekretiert werden. Translationale Stopmutationen, sog. Null-Allele, führen zur Haploinsuffizienz. Genomische Deletionen und komplexe Rearrangements, die ganze bzw. mehrere Exons betreffen, machen etwa 5% aller beschriebenen Mutationen des COL3A1-Gens aus.

In den Wänden von Arterien und inneren Organen stellt Typ III-Kollagen mit bis zu 45% einen wichtigen Bestandteil dar, so dass diese Gewebe bei EDS Typ IV besonders betroffen sind. Die klinische Diagnose kann elektronenmikroskopisch und biochemisch durch den Nachweis von strukturell verändertem Typ III-Kollagen untermauert und durch den Nachweis einer Mutation im COL3A1-Gen gesichert werden. Die Mutationserfassungsrate bei EDS-Patienten, bei denen die klinischen Hauptkriterien der Villefranche-Klassifikation erfüllt sind, liegt bei über 90%.

Eine Differentialdiagnose zum EDS Typ IV stellt eine klinische Unterform des Loeys-Dietz-Syndrom (LDS II) dar (s. dort). Charakteristisch beim LDS II sind wie beim EDS Typ IV Aneurysmen und Rupturen der großen Gefäße sowie durchscheinende Haut mit Hämatomneigung, ohne dass die dafür typischen Veränderungen im Typ-III-Kollagen oder Mutationen im  COL3A1-Gen gefunden werden. Ursache sind hier Mutationen in den Genen für die Transforming Growth Factor Beta Rezeptoren 1 und 2 (TGFBR1 und TGFBR2).