Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Sie befinden sich hier: Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) mit Tenascin-X-Defizienz

Letzte Änderung: 12.04.2016

Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) mit Tenascin-X-Defizienz [Q79.6]

OMIM-Nummer: 606408, 600985 (TNXB)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Diese autosomal-rezessive vererbte, seltene Form des Ehlers-Danlos-Syndroms zählt nicht zu den sechs Haupttypen. Charakteristisch sind überdehnbare Haut, überbewegliche Gelenke und Gewebeverletzlichkeit, sodass zwei Hauptkriterien für ein klassisches EDS erfüllt sind. Im Gegensatz zu Patienten mit klassischem EDS tritt aber weder eine atrophe Narbenbildung noch eine verzögerte Wundheilung auf. Als zusätzliche Manifestationen können Komplikationen wie Divertikulitis, Rektalprolaps, Mitralklappenproplaps, sowie neuromuskuläre Beteiligung mit Muskelschwäche, Hypotonie, Myalgie, leichte Ermüdbarkeit und Parästhesien auftreten.

Das Krankheitsbild wurde anhand eines Patienten mit Adrenogenitalem Syndrom und einer 21-Hydroxylase-Defizienz genetisch aufgeklärt, der zusätzlich klinische Symptome eines klassischen EDS aufwies. Die Ursache war eine 30-kb-Deletion auf Chromosom 6p21.3, die sowohl das CYP21B-Gen als auch das teilweise überlappende TNXB-Gen beinhaltete und somit ein Contiguous Gene Syndrome darstellte. Ursache für ein EDS mit Tenascin-X-Defizienz sind homozygote oder kombiniert heterozygote Mutationen im TNXB-Gen, die zu einem kompletten Fehlen des Genprodukts Tenascin-X auf RNA- und Proteinebene führen. Bei den Patienten ist kein Tenascin-X im Serum mehr nachweisbar. Tenascin-X ist ein Glykoprotein, das in der extrazellulären Matrix von Haut, Sehnen, Muskeln und Blutgefäßen synthetisiert und ins Serum sekretiert wird. Bisher sind erst sechs verschiedene Mutationen im TNXB-Gen beschrieben. Einige Patienten mit Tenascin-X-Defizienz weisen myopathische Symptome auf, die charakteristisch für eine Bethlem Myopathie oder eine Ullrich Muskeldystrophie sind. Das Fehlen von Tenascin-X im Serum bewirkt eine verminderte Expression von Typ VI-Kollagen.

Der fehlende Nachweis von Tenascin-X im Serum unterstützt die klinische Diagnose.