Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Ehlers-Danlos-Syndrom mit Tenascin-X-Defizienz (clEDS) [Q79.6]

OMIM-Nummer: 606408, 600985 (TNXB)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

In der aktuellen EDS-Klassifikation von 2017 wird der rezessiv vererbte EDS-Typ mit Tenascin-X-Defizienz als dem klassischen Typ ähnliches EDS (clEDS) bezeichnet. Die charakteristische Hauptkriterien für clEDS sind neben der generalisierten Hypermobilität der Gelenke analog zum klassischen Typ auch eine überdehnbare, samtige Haut, allerdings ohne atrophe Narbenbildung, sowie eine erhöhte Verletzlichkeit der Haut mit spontanen Ecchymosen.

Das Krankheitsbild wurde anhand eines Patienten mit Adrenogenitalem Syndrom und einer 21-Hydroxylase-Defizienz genetisch aufgeklärt, der zusätzlich klinische Symptome eines klassischen EDS aufwies. Die Ursache war eine 30-kb-Deletion auf Chromosom 6p21.3, die sowohl das CYP21A2-Gen als auch das teilweise überlappende TNXB-Gen beinhaltete und somit ein Contiguous Gene Syndrome darstellte. Ursache für ein EDS mit Tenascin-X-Defizienz sind homozygote oder kombiniert heterozygote Mutationen im TNXB-Gen, die zu einem kompletten Fehlen des Genprodukts Tenascin-X auf RNA- und Proteinebene führen. Bei den Patienten ist kein Tenascin-X im Serum mehr nachweisbar. Tenascin-X ist ein Glykoprotein, das in der extrazellulären Matrix von Haut, Sehnen, Muskeln und Blutgefäßen synthetisiert und ins Serum sekretiert wird. Bisher sind bei Patienten mit Tenascin-X-Defizienz erst zwei Nonsense-Mutationen, drei kleine Frameshift-Mutationen sowie zwei große genomische Rearrangements beschrieben, die in Homozygotie und kombinierter Heterozygotie vorlagen. Einige Patienten mit Tenascin-X-Defizienz weisen myopathische Symptome auf, die charakteristisch für eine Bethlem Myopathie oder eine Ullrich Muskeldystrophie sind. Das Fehlen von Tenascin-X im Serum bewirkt eine verminderte Expression von Typ VI-Kollagen.

Der fehlende Nachweis von Tenascin-X im Serum unterstützt die klinische Diagnose.

Literatur

Malfait et al, Am J Med Genet C 175:8 (2017) / Tinkle et al, Am J Med Genet C 175:48 (2017) / Brady et al, Am J Med Genet C 175:70 (2017) / Colombi et al, Am J Med Genet 169 C:6 (2015) / Mayer et al, Eur J Hum Genet 21, update 2012 (2013) / Tinkle et al, Am J Med Genet 149 A:2368 (2009) / Bristow et al, Am J Med Genet C 139 C:24 (2005) / Schalkwijk et al., N Engl J Med 345:1167 (2001)  / Burch et al, Nat Genet 17:104 (1997)