Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Ehlers-Danlos-Syndrom hypermobiler Typ (EDS Typ III) [Q79.6]

OMIM-Nummer: 130020, 600985 (TNXB)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Der hypermobile EDS Typ III stellt mit einer geschätzten Prävalenz von 1:5000-1:20.000 den häufigsten EDS-Typ dar. Im Gegensatz zu den anderen Haupttypen des EDS wird die klinische Symptomatik als am wenigsten schwerwiegend beschrieben. Die Vererbung ist autosomal dominant mit kompletter Penetranz, wobei die klinische Expressivität extrem variabel sein kann, weshalb der hypermobile EDS-Typ wesentlich häufiger und damit auch häufiger als der klassische Typ zu sein scheint. Ein wesentliches klinisches Hauptkriterium ist die Überstreckbarkeit der Gelenke, die nach Beighton (1973) in eine Neun-Punkte-Skala eingeteilt werden kann, wobei mindestens fünf Punkte vorliegen sollten. Die Haut ist wie beim klassischen EDS-Typ weich, aber im Gegensatz dazu nicht oder nur wenig überdehnbar. Ebenso fehlen die bei den klassischen bzw. vaskulären EDS-Typen charakteristischen Zeichen wie die Haut- oder Gewebeverletzlichkeit und die Beteiligung des Gefäßsystems. Eine positive Familienanamnese und gastrointestinale oder kardiovaskuläre Komplikationen können als Nebenkriterien allenfalls die klinische Diagnose unterstützen. Für viele Patienten stellt die häufig beschriebene Schmerzsymptomatik ein besonderes Problem dar.

Die biochemische und molekulare Ätiologie des EDS Typ III ist in den meisten Fällen unklar. Bei einigen Patienten wurden heterozygote Frameshift-Mutationen oder genomische Deletionen im TNXB-Gen identifiziert. Das Genprodukt Tenascin-X ist ein Glykoprotein, das in der extrazellulären Matrix von Haut, Sehnen, Muskeln und Blutgefäßen synthetisiert wird. Patienten mit translationalen Stopmutationen weisen reduzierte Spiegel von Tenascin-X im Serum auf, so dass hier von einer Haploinsuffizienz für Tenascin-X ausgegangen wird. Heterozygote Missense-Mutationen wurden ebenfalls bei einigen Patienten mit hypermobilem EDS nachgewiesen, wobei diese Patienten normale Tenascin-X-Spiegel im Serum aufwiesen, aber Veränderungen in der Morphologie der elastischen Fasern zeigten. Homozygote oder kombiniert heterozygote Mutationen im TNXB-Gen wurden ursprünglich bei einem rezessiv vererbten EDS-Typ identifiziert, wobei bei diesen Patienten kein Tenascin-X im Serum mehr nachweisbar ist. Der Phänotyp der Patienten mit heterozygoten TNXB-Mutationen ähnelt dem rezessiv vererbten EDS-Typ. Während bei Patienten mit Tenascin-X-Defizienz überdehnbare Haut, überstreckbare Gelenke und Hämatomneigung charakteristisch sind, weisen Patienten mit heterozygoten TNXB-Mutationen überwiegend nur eine Hypermobilität der Gelenke auf. TNXB ist bisher das einzige bekannte, bei EDS Typ III veränderte Gen. Die klinische Konsequenz von TNXB-Mutationen ist eine veränderte Morphologie der elastischen Fasern der Haut und eine reduzierte Kollagendichte ohne Auffälligkeiten der Kollagenfibrillen-Struktur.

Der biochemische Nachweis reduzierter Tenascin-X-Spiegel im Serum kann die klinische Diagnose unterstützen.