Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Ehlers-Danlos-Syndrom klassischer Typ (EDS Typ I und II) [Q79.6]

OMIM-Nummer: 130000, 120215 (COL5A1), 130010, 120190 (COL5A2)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

EDS Typ I/II (klassischer Typ) wird autosomal-dominant vererbt. Mit einer Häufigkeit von 1:20.000 ist er der zweithäufigste EDS-Typ. EDS Typ I gravis und EDS Typ II mitis unterscheiden sich nur durch den Schweregrad. Klinische Hauptkriterien sind hyperelastische Haut, atrophe Narbenbildung (Zigarettenpapiernarben) als Folge der Gewebeverletzlichkeit und überstreckbare Gelenke. Nebenkriterien sind weiche, samtige Haut, molluscoide Pseudotumore, subkutane Spheroide sowie Komplikationen des Bewegungsapparats durch die Überbeweglichkeit und bei Operationen aufgrund der Gewebebrüchigkeit. Beim EDS Typ I gravis finden sich generalisierte Haut- und Skelettmanifestationen, es besteht die Gefahr der Ruptur innerer Organe. Beim EDS Typ II mitis ist die Überstreckbarkeit der Gelenke häufig nur auf die Extremitäten beschränkt, die Hautmanifestationen sind oft nur leicht ausgeprägt.

Die bisher bekannte genetische Ursache für EDS Typ I und II sind Mutationen im COL5A1- und COL5A2-Gen, die für die α1- und α2-Kette des Typ V-Kollagens kodieren. Jeweils zwei α1-Ketten und eine α2-Kette bilden Typ V-Kollagen-Heterotrimere, die bei der Biosynthese der Kollagenfibrillen eine wichtige Rolle spielen. Bei etwa 40% der Patienten mit EDS Typ I und II ist die molekulare Ursache eine Mutation im COL5A1-Gen, bei etwa 8% der Patienten werden Mutationen im COL5A2-Gen identifiziert. Bei Patienten, bei denen alle Hauptkriterien gemäß der Villefranche Nosologie erfüllt sind, konnten in mehr als 90% COL5A1- und COL5A2-Mutationen nachgewiesen werden. In Einzelfällen wurden auch Mutationen im COL1A1-Gen beschrieben, wobei die meisten dieser Patienten zusätzlich Symptome einer Osteogenesis imperfecta aufwiesen. Der Großteil aller COL5A1- und COL5A2-Mutationen sind translationale Stopmutationen, die zu einem Null-Allel führen, etwa 30% aller COL5A1-Mutationen und 40% aller COL5A2-Mutationen sind strukturelle Mutationen, bei denen Glycin in der Tripel-Helix betroffen ist. Genomische Deletionen sind im COL5A1- und COL5A2-Gen bisher nicht beschrieben, es wurde erst eine genomische Duplikation im COL5A1-Gen identifiziert. Der elektronenmikroskopische Nachweis abnormer Kollagenfibrillenstruktur kann die klinische Diagnose unterstützen.