Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Chorea Huntington [G10]

OMIM-Nummer: 143100613004 (HTT) 

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh, Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei der Chorea Huntington, einer autosomal-dominant vererbten, neurodegenerativen Erkrankung, liegt die Prävalenz in der mitteleuropäischen Bevölkerung bei 5-7:100.000. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt 40 Jahre, selten erkranken auch Kinder und ältere Personen. Die Symptomatik besteht im Wesentlichen aus Bewegungsstörungen, die im Verlauf choreatiform werden, Wesensveränderungen mit anfänglich oft depressiven Verstimmungen und mentalem Abbau bis zur Demenz aufgrund einer Atrophie des Nucleus caudatus und des Putamen bzw des Cortex. Die Erkrankungsdauer liegt durchschnittlich bei 15 Jahren.

Verursacht wird die Erkrankung durch eine CAG-Triplett-Repeat-Expansion im Exon 1 des HTT-Gens. Normalpersonen zeigen Allele mit 6-26 CAG-Repeats, ab 40 Repeats tritt immer eine Chorea Huntington auf. Zwischen der Repeat-Länge und dem Erkrankungsalter besteht statistisch eine gewisse Korrelation. Durch die CAG-Repeat-Verlängerung werden vermehrt Glutamin-Reste in das Huntingtin-Protein eingebaut. Der Mechanismus, der zur Atrophie bestimmter Hirnareale führt, ist noch nicht genau geklärt. Eine kausale Therapie der Erkrankung gibt es nicht, Bewegungsstörungen und psychische Veränderungen können symptomatisch behandelt werden.

Die symptomatische genetische Diagnostik dient der Sicherung der klinischen Verdachtsdiagnose bzw. der Differentialdiagnose bei Patienten, die bereits Symptome zeigen. Bei der prädiktiven Diagnostik werden gesunde Risikopersonen untersucht, in der Regel erstgradige Verwandte von Betroffenen. Laut Gendiagnostikgesetz (GenDG) soll bei jeder diagnostischen genetischen Untersuchung eine genetische Beratung angeboten werden. Bei prädiktiver genetischer Diagnostik muss laut GenDG vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Resultates genetisch beraten werden, außer es liegt eine schriftliche Verzichtserklärung der Risikoperson nach schriftlicher Aufklärung über die Beratungsinhalte vor. Gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften sollte eine psychotherapeutische Betreuung vor, während und nach der Untersuchungsphase bestehen.

Literatur

van der Burg et al, Lancet Neurol 8:765 (2009) / Walker, Lancet 369:218 (2007) / Levin et al, Expert Rev Mol Diagn 6:587 (2006) / Langbehn et al, Clin Genet 65: 267 (2004) / McNeil et al, Hum Mol Genet 6:775 (1997) / Rubinsztein et al, Am J Hum Genet 59:16 (1996) / Gellera et al, Am J Hum Genet 59:475 (1996) / Huntington’s Disease Collaborative Research Group, Cell 72:971 (1993)