Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Brugada-Syndrom (BrS) ist eine der häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztods und für ca. 20-30% der Fälle mit strukturell unauffälligem Herzen verantwortlich. Es handelt sich um eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung mit unvollständiger Penetranz. Die Häufigkeit beträgt weltweit durchschnittlich 1:2.000, wobei 90% der Betroffenen männlichen Geschlechts sind. Die Erstmanifestation kann in früher Kindheit erfolgen, typisch jedoch im Alter von 30-40 Jahren. Charakteristisch für das Brugada-Syndrom ist die im EKG persistierende ST-Segment-Hebung in der rechtspräkordialen Ableitung, die in manchen Fällen nur mittels Antiarrhythmika wie Ajmalin oder Flecainid demaskiert werden kann. Beim Brugada-Syndrom besteht eine Neigung zu schnellen polymorphen ventrikulären Tachykardien und Kammerflimmern. Die Symptome treten oft nachts auf und führen häufig zum plötzlichen Herztod. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod beträgt in Abhängigkeit von der klinischen Symptomatik 2-15%/Jahr. Die einzig sichere Therapie ist die prophylaktische Implantation eines Defibrillators.

Das Brugada-Syndrom Typ 1 (genetisch) ist auf Mutationen im SCN5A-Gen zurückzuführen, das für die alpha-Untereinheit des Nav1.5-Natrium-Ionenkanals codiert. In bis zu 25% der Patienten mit Brugada-Syndrom können ursächliche Mutationen im SCN5A-Gen (BrS1) nachgewiesen werden. Es sind bereits über 350 Mutationen beschrieben, die in der Regel zum funktionellen Verlust eines SCN5A-Allels führen.

In 5%-10% der Fälle mit BrS Typ I-EKG liegen andere Formen des Brugada-Syndroms vor. Einige Patienten tragen Mutationen in den Calcium-Ionenkanal-Genen CACNA1C (alpha-1C-Untereinheit, Ca-Kanal, Cav1.2, BrS3) und CACNB2 (ß2-Untereinheit, BrS4). Diese Mutationen führen neben der ST-Segment-Hebung zu relativ kurzen QTc von 330-370 ms. Wahrscheinlich ist auch eine kürzlich identifizierte Form, die durch Mutationen des SCN10A-Gens verursacht wird, in einem Teil der Fälle ursächlich. Einige Formen sind sehr selten und daher nicht Bestandteil der Routine-Diagnostik. In ca. 70% aller Fälle des Brugada-Syndroms kann keine ursächliche Mutation nachgewiesen werden. Die Kombination von häufigen Polymorphismen scheint mit einem bis zu 20-fach erhöhten Risiko für Brugada-Syndrom assoziiert zu sein.


Literatur

Steinfurt et al. Dtsch Arztebl Int 112:394 (2015) / Le Scouarnec et al, Hum Mol epub 3. Feb (2015) / Behr et al, Cardiovasc Res epub 17. Feb (2015) / Hu et al, J Am Coll Cardiol 64:66 (2014) / Bezzina et al, Nat Genet 45:1044 (2013) / Nielsen et al, front physiol 4:179 (2013) / Crotti et al, J Am Coll Cardiol 60:1410 (2013) / Kaufmann et al, J  Am Coll Cardiol 60:1419 (2012) / Ackerman et al, Europace 13:1077 (2011) / Kapplinger et al, Heart Rhythm 7:33 (2010) / Hedley et al, Hum Mutat 30:1256 (2009) / Antzelevitch et al, Curr Cardiol Rep 10:376 (2008) / Priori et al, Circulation 105:1342 (2002) / Brugada et al, Am Coll Cardiol 20:1391 (1992)