Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Autoimmun-Polyendokrinopathie-Candidiasis-Ektodermaldystrophie-Syndrom Typ I (APECED) [31.0]

OMIM-Nummer: 240300607358 (AIRE)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

APECED-Syndrom ist die derzeit einzige bekannte monogen vererbte Autoimmunerkrankung. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv, als krankheitsverursachend konnte das AIRE-Gen (Autoimmun-Regulator-Gen) identifiziert werden. Die Erkrankung beginnt bereits im Kindesalter und ist durch mindestens 2 der folgenden Leitsymptome gekennzeichnet:

  • M. Addison
  • Hypoparathyreoidismus
  • chronische Candidiasis von Haut und Schleimhäuten ohne generalisierten Befall

Fakultativ entwickeln sich weitere, durch Autoimmunvorgänge bedingte endokrine Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus Typ 1, Thyreoiditis und hypergonadotroper Hypogonadismus. Die autoimmunologischen Veränderungen können auch andere Organe betreffen, wodurch es z.B. zur Dystrophie ektodermaler Strukturen (Zahnschmelz- und Nageldystrophie, Alopezie, Vitiligo, Keratitis), perniziöser Anämie bei chronisch atrophischer Gastritis oder chronisch aktiver Hepatitis kommt. Candidiasis ist jedoch meist das erste Symptom. Bei fast allen Patienten mit 2 der 3 Leitsymptomen sind Mutationen im AIRE-Gen nachweisbar.

APECED ist häufiger in bestimmten Populationen, wie z.B. bei Finnen (1:25.000), bei Sarden (1:14.000) und irakischen Juden (1:9.000). Das AIRE-Gen umfasst 14 Exons und wird v.a. in Geweben exprimiert, die für die Reifung des Immunsystems wichtig sind, wie z.B. Thymus, Lymphknoten und fetale Leber. Bestimmte Mutationen treten gehäuft in bestimmten Populationen auf. So sind fast 90% der finnischen Betroffenen Träger der Mutation R257X.

Literatur

Oftedal et al, Immunity 42:1185 (2015) / Eisenbarth et al, N Eng J Med 350:2068 (2004) / Cihakova et al, Hum Mutat 18:225 (2001) Ahonen et al, N Eng J Med 322:1829 (1990)