Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Apolipoprotein B-Defizienz (FLDB) [E78.6]

OMIM-Nummer: 144010, 107730 (APOB)

Dr. med. Hanns-Georg Klein

Wissenschaftlicher Hintergrund

Neben der familiären Hypercholesterinämie (FH), die im Wesentlichen durch Mutationen im LDL-Rezeptor-Gen hervorgerufen wird, gibt es eine weitere autosomal-dominant vererbte, familiäre Form der Hypercholesterinämie, die durch Mutationen im APOB-Gen (Prävalenz ca. 1:700 - 1.000) verursacht wird. Das Genprodukt, Apolipoprotein B, ist Bestandteil der LDL-Partikel und dient als Ligand bei der Rezeptor-vermittelten Aufnahme von LDL in die Zelle. Diese als familiäre Apolipoprotein B-Defizienz (Familial Ligand Defective Apo B, FLDB) bezeichnete Störung des LDL-Stoffwechsels ist mit einer geringergradigen Hypercholesterinämie assoziiert als FH, die Patienten haben aber dennoch ein deutlich erhöhtes Koronarrisiko.

Die Prävalenz der beiden häufigsten Mutationen im APOB-Gen, APOB-R3500Q und APOB-R3531C, wird mit 1:450 und 1:3.000 in der Normalbevölkerung angegeben und entspricht damit in etwa der Häufigkeit von heterozygoten LDL-Rezeptor-Defekten. Bereits bei Heterozygotie kommt es durch eine verminderte Affinität von ApoB zum LDL-Rezeptor zu einer Erhöhung des Gesamtcholesterins um 70-95 mg/dl (APOB-R3500Q) bzw. 45-65 mg/dl (APOB-R3531C) gegenüber Kontrollpersonen. Die APOB-Mutationen R3500Q und R3531C werden in ca. 7% der Patienten mit einer familiär Hypercholesterinämie nachgewiesen. Homozygotie für eine FLDB ist extrem selten, der Phänotyp ähnelt dem einer heterozygoten FH.