Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Wolf-Hirschhorn-Syndrom (WHS; 4p-) [Q93.3]

OMIM-Nummer: 194190

Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Wolf-Hirschhorn-Syndrom (WHS) ist gekennzeichnet durch eine Kombination aus charakteristischen äußeren Merkmalen, angeborenen Fehlbildungen, schwerer Entwicklungsverzögerung und Minderwuchs. Oft ist bereits beim Neugeborenen oder kleinen Säugling eine Blickdiagnose möglich. Die Patienten haben einen weiten Augenabstand, eine breite Nasenwurzel, hochgebogene Augenbrauen, nach außen unten verlaufende Lidachsen, Strabismus divergens, häufig Iriskolobome und LKG-Spalten, Ohrmuscheldysplasie, Herz- und Nierenfehlbildungen, bei Jungen Hypospadie. Etwa 80% der Patienten haben Krampfanfälle. Das WHS wird verursacht durch unterschiedlich große Deletionen des terminalen Kurzarms von Chromosom 4 (4p16.3). Kleinere Deletionen (bis 3,5 Mb) sind mit einer leichteren Ausprägung ohne Fehlbildungen verbunden, mittlere (5 bis 18 Mb) mit dem „klassischen“ WHS, sehr große (22-25 Mb) mit einer sehr schweren Ausprägung, wobei keine Ähnlichkeit mit dem WHS besteht. Beim klassischen WHS sind die Deletionen oft bereits bei der konventionellen Chromosomenanalyse zu erkennen. Es kommen auch interstitielle Deletionen mit erhaltener Subtelomerregion vor. Zu 85 bis 90% entstehen die Deletionen neu, der Rest beruht auf chromosomalen Strukturumbauten, die in balancierter Form bereits bei den Eltern vorliegen können. Die Häufigkeit wird mit 1:20.000 bis 1:50.000 angegeben.

Ergebnis der FISH-Analyse (invertierte DAPI-Ansicht) mit den Subtelomersonden TelVysion 4p (grünes Signal) und TelVysion 4q (rote Signale) entsprechend einer terminalen Deletion 4p15 bei einer Patientin mit Wolf-Hirschhorn-Syndrom
Karyogramm aus peripherem Blut mit dem Karyotyp 46,XX,del(4)(p15.2)

 

 

Literatur

Battaglia et al, Am J Med Genet 148C:246 (2008) / Zollino et al, Am J Med Genet 148C:257 (2008) / Battaglia et al, Adv Pediatr 48:75 (2001) / Wright et al, Am J Med Genet 75:345 (1998)