Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 26.05.2016

Ullrich-Turner-Syndrom (45,X-Syndrom) [Q96]

Dipl.-Biol. Uwe Heinrich

Wissenschaftlicher Hintergrund

Mit einer Inzidenz bei weiblichen Neugeborenen von 1:2.500, sowie von 1:100 geschätzten Konzeptionen (hiervon enden ca. 98% der Schwangerschaften im 1. Trimenon mit einer Fehlgeburt) zählt das Ullrich-Turner-Syndrom zu einer der häufigsten Chromosomenstörungen. Im pränatalen Ultraschall kann frühzeitig ein Hygroma colli oder ein Hydrops fetalis festgestellt werden, was häufig eine Indikation für eine invasive Pränataldiagnostik mit Nachweis der Chromosomenstörung darstellt. Die klinische Symptomatik äußert sich bei voller Ausprägung durch Minderwuchs (ca. 150 cm), primäre Amenorrhoe, Stranggonaden, Pterygium colli und leichte faziale Dysmorphiezeichen wie nach außen unten geneigte Lidachsen. Die Intelligenz liegt im Normbereich. Pränatal zeigt sich häufig eine Erweiterung der Lymphgefäße mit Lymphödemen und Hygroma colli. Für die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale sollte eine Substitution mit Geschlechtshormonen vorgenommen werden. Obwohl kein Wachstumshormonmangel vorliegt, kann bei vielen Patientinnen durch Wachstumshormongaben eine Verbesserung des Wachstums erreicht werden. Im Falle eines 45,X/46,XY-Mosaiks sollten aufgrund eines erhöhten Risikos für Gonadoblastome die Gonaden prophylaktisch entfernt werden. Differentialdiagnostisch ist in erster Linie an das Noonan-Syndrom zu denken.

Bei etwa 55% der Patienten liegt eine reine Monosomie X vor, bei den übrigen liegen gonosomale Mosaike oder X-chromosomale Strukturanomalien vor.