Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 24.10.2015

Smith-Magenis-Syndrom (SMS) [Q93]

OMIM-Nummer: 182290

Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Beim Smith-Magenis-Syndrom (SMS) besteht eine Entwicklungsverzögerung in Kombination mit typischen Verhaltensweisen und diskreten äußeren Merkmalen wie Brachyzephalie, flaches Mittelgesicht, breite Nasenwurzel, „M“-förmige gewölbte Oberlippe mit deutlichem Philtrumeinschnitt, Brachydaktylie sowie Einschnürungen im Bereich der Unterarme im Säuglings- und Kleinkindalter. Die Stimme ist oft tief und klingt heiser. Bis zu 70% der Patienten haben eine Schwerhörigkeit, oft infolge chronischer Mittelohrentzündungen (80-90%). Etwa 30% haben angeborene Fehlbildungen im Bereich des Herzens und/oder der Nieren. Fußfehlstellungen sind häufig. Ca. 50% haben eine Myopie und damit verbunden gelegentlich eine Netzhautablösung. Typisch beim SMS sind Wutanfälle, selbstverletzendes Verhalten und erhebliche Schlafstörungen, die für die Familien sehr belastend sein können. Viele Kinder mit SMS werden als musikalisch beschrieben; die meisten können gut mit dem Computer umgehen, was auch für die Förderung genutzt werden kann. Die Häufigkeit wird mit 1:15.000 bis 1:25.000 angegeben; das SMS ist aber wahrscheinlich unterdiagnostiziert.

Die Ursache ist bei 90% eine Mikrodeletion variabler Größe (von 1,5 bis 9 Mb, meist ca. 3,7 Mb) im Kurzarm von Chromosom 17 (17p11.2), die das RAI1-Gen mit einschließt, in 10% eine Mutation im RAI1-Gen. Das RAI1-Gen ist für die meisten Symptome des SMS verantwortlich; weitere 13 im Deletionsbereich liegende Gene modifizieren den Schweregrad (contiguous gene syndrome). Die Mikrodeletion bzw. Mutation entsteht fast immer neu, dementsprechend ist das Wiederholungsrisiko gering, wenn eine elterliche chromosomale Strukturveränderung im Chromosom 17 bzw. ein seltenes elterliches Mosaik für eine RAI1-Mutation ausgeschlossen wurde. Große Deletionen sind mit der konventionellen Chromosomenanalyse zu finden, die häufigeren kleinen mit der FISH-Analyse.