Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Miller-Dieker-Syndrom (MDS) [Q93]

OMIM-Nummer: 247200

Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Miller-Dieker-Syndrom (MDS) zeigt als Leitsymptom eine Lissenzephalie I (griech. lissos=glatt), eine schwere frühembryonale Entwicklungsstörung der Großhirnrinde, die zu einer Reduktion der Zellschichten von normal 6 auf 3-4 und zu einer reduzierten bis fehlenden Gyrierung (Agyrie oder Pachygyrie im MRT) der Hirnoberfläche führt. Häufig ist ein Balkenmangel zu finden. Entsprechend zeigen die Kinder eine schwere Entwicklungsverzögerung, meist mit frühzeitig einsetzenden Krampfanfällen und Fütterungsschwierigkeiten, die auch zu Aspirationen und Pneumonien führen können. Die Lebenserwartung ist reduziert. An äußeren Merkmalen finden sich eine hohe gewölbte Stirn mit bitemporalen Einziehungen, eine Mikrozephalie, eine kurze Nase mit evertierten Nasenlöchern, eine bogenförmige prominente Oberlippe und nach hinten rotierte Ohrmuscheln. Verursacht wird das MDS durch eine Mikrodeletion am terminalen Kurzarmende eines Chromosom 17 (17p13.3). Die Migrationsstörung wird verursacht durch die Deletion des LIS1- oder PAFAH1B1-Gens; der komplexe Phänotyp des MDS mit schwerer ausgeprägter Lissenzephalie, zusätzlicher Wachstumsstörung, fazialen Auffälligkeiten und gelegentlich zusätzlichen Fehlbildungen wird durch Deletion zumindest auch des YWHAE-Gens im Sinne eines contiguous gene syndromes verursacht. Ca. 80% der Deletionen beim MDS sind neu entstanden, ca. 20% resultieren aus einer balancierten elterlichen Strukturveränderung.

Literatur

Screenath Nagamani et al, J Med Genet 46:825 (2009) / Matarese et al, Pediatric Neurology 40:324 (2009) / Spalice et al, Acta Paediatrica 98:421 (2009) / Kato and Dobyns, Hum Mol Genet 12: R89 (2003) / Rost, Monatsschr Kinderheilkd 148: 55 (2000) / Dobyns et al, Am J Hum Genet 48:584 (1991)