Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

25-Hydroxy-Vitamin D3/D2

Dr. rer. nat. Fatima Tepedino

Wissenschaftlicher Hintergrund

Vitamin D-Mangel gehört zu den häufigen Volkskrankheiten, die unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft sind. Besonders gefährdet sind in den Wintermonaten ältere Menschen, Schwangere und Neugeborene, da ein großer Teil des aktiven Vitamin D (etwa 90%) erst durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. Aufgrund der schwächeren UV-B-Strahlung ist die Bildung von Vitamin D in unseren Breitengraden nur in der Zeit von April bis Oktober begünstigt. Durch hauptsächlichen Aufenthalt in geschlossenen Räumen und die Verwendung von Sonnencremes haben aber auch im Sommer viele Menschen zu niedrige Vitamin D-Spiegel. Eine regelmäßige Bestimmung von Vitamin D sollte daher nicht nur im Winter und bei den genannten Risikogruppen erfolgen, sondern auch zur Osteoporoseprävention ab dem 50. Lebensjahr.

Die physiologisch bedeutendsten Formen sind Vitamin D3 (Cholecalciferol) und Vitamin D2 (Ergocalciferol). Vitamin D3 kann vom menschlichen Körper selbst gebildet werden. Nur wenige Lebensmittel (z.B. Lebertran oder Lachs) haben einen hohen Anteil  an  Vitamin D, weshalb  die  endogene Produktion die bedeutenste Quelle ist. Aufgrund der langen Halbwertszeit der primären Metabolite (25-OH-Vitamin D), hat sich deren Bestimmung in der Klinischen Chemie durchgesetzt, obwohl nur die 1,25-OH-Metabolite biologisch wirksam sind. Generell ist die Bestimmung sowohl von 25-OH-Vitamin D3 als auch von 25-OH-Vitamin D2 sinnvoll, obwohl Letzteres in der Regel in nicht nachweisbaren Mengen vorliegt. Beide Stoffe können jedoch zum aktiven 1,25-OH-Vitamin D-Metaboliten verstoffwechselt werden. Vor allem in den USA sind Vitamin D2-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich. Dabei werden durchaus relevante Blutkonzentrationen erreicht, weshalb die alleinige Bestimmung der Vitamin D3-Serumkonzentration bei diesen Personen nicht ausreichend wäre.

Bildung und Metabolisierung von Vitamin D


1,25-OH-Vitamin D ist eines der wichtigsten Moleküle für die Resorption und Ausscheidung von Calcium sowie für den Einbau von Calcium in den Knochen. Durch Mangelerscheinungen kann es zum Auftreten von Rachitis und Osteomalazie kommen, die aufgrund einer unzureichenden Knochenneubildung und durch gestörte Matrixmineralisierung in Erscheinung treten. Für eine gesunde Kindesentwicklung ist eine ausreichende Vitamin D-Versorgung obligat.

Weiterhin kann ein Mangel an Vitamin D Stoffwechselstörungen hervorrufen, das Herzkreislaufrisiko steigern, Schlafstörungen verursachen und die Sterilität begünstigen. Weitere mit Vitamin D-Mangel assoziierte Krankheitsbilder sind Muskelschwäche, Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen, Depressionen, M. Alzheimer sowie M. Parkinson.

Zu hohe Vitamin D-Konzentrationen, aufgrund übermäßigen Verzehrs entsprechender Nahrungsmittel, bzw. Überdosierungen von verabreichten Präparaten können zu einer Hypercalcämie führen, die sich in Kopfschmerzen, Diarrhoe und Erbrechen äußert. Ein optimal eingestellter Serum-Vitamin D-Spiegel hingegen fördert die Zelldifferenzierung, führt zu einer verbesserten Glucose-Toleranz und senkt das Brustkrebsrisiko.

Literatur

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