Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Pregnenolonsulfat

Dr. rer. nat. Fatima Tepedino

Wissenschaftlicher Hintergrund

Pregnenolon ist ein bedeutendes Neurosteroid, das vor allem im Zentralnervensystem großen Einfluss hat. Beim Pregnenolonsulfat handelt es sich um die aktive, im Blut besser lösliche sulfatierte Form des Pregnenolons. Pregnenolon wird auch als „Mutterhormon“ bezeichnet, da es die Vorstufe für sämtliche andere Steroidhormone darstellt.

Überblick über die Steroidsynthese: Pregnenolon als Mutterhormon aller Steroide. Schwarz: Männliche Sexualhormone; Rot: Weibliche Sexualhormone; Blau: Glucocorticoide; Grün: Mineralocorticoide


Durch Wechselwirkung mit Steroidrezeptoren oder Ionenkanälen des Zentralen Nervensystems rufen Neurosteroide inhibitorische und exzitatorische Aktionen der Neuronen hervor:

Pregnenolonsulfat wirkt als Antagonist am GABA-Rezeptor (γ-Aminobuttersäure-Rezeptor) und führt zu einer Steigerung von Bewusst- und Wachsein. Die in vielen Beruhigungsmitteln verwendeten Benzodiazepine treten mit demselben Rezeptor in Wechselwirkung, allerdings mit gegenteiligem Effekt: durch ihre Interaktion wird ein sedierender und beruhigender Zustand hervorgerufen. Der N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptor ist der zweite wichtige neurosteroidale Rezeptor für Pregnenolonsulfat. Nach dessen Stimulierung werden die kognitiven Fähigkeiten wie Lernen, Erinnerungsvermögen, Aufmerksamkeit, Kreativität und Orientierung gesteigert.

Auch tierexperimentell konnte an der Ratte die gedächtnisfördernde Wirkung von Pregnenolonsulfat bestätigt werden. Sowohl nach oraler Gabe als auch nach Injektion in spezifische Gehirnregionen hat sich gezeigt, dass der Lerneffekt schneller eintritt bzw. die richtige Durchführung bekannter Aufgaben früher erfolgt als bei Versuchstieren mit niedrigem Pregnenolonsulfat-Spiegel. Jedoch ist die gedächtnisfördernde Wirkung zeitlich begrenzt, weshalb die Einnahme bestimmter Präparate regelmäßig erfolgen muss.

Weiterhin wurde bewiesen, dass erhöhte Pregnenolonsulfat-Konzentrationen die endogene Acetylcholinausschüttung positiv beeinflussen. Mangel an Acetylcholin wurde neben zahlreichen anderen Faktoren für die Entstehung der Alzheimer-Erkrankung verantwortlich gemacht. In Fall-Studien konnte man feststellen, dass die Serum-Konzentration von Pregnenolonsulfat mit zunehmendem Alter absinkt, was mit einer verminderten Gedächtnisfunktion einhergeht. Hieraus könnte sich eine neuronale Wirkung von Pregnenolonsulfat zur Prävention von Demenz ergeben.

Literatur

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