Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 27.01.2016

N-Acetyltransferase-bedingte Arzneimittelunverträglichkeit [T88.7]

OMIM-Nummer: 243400, 612182 (NAT2)

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Detoxifizierung von Arzneistoffen und Xenobiotika durch Acetylierung im menschlichen Organismus wird durch die N-Acetyltransferasen NAT1 und NAT2 katalysiert.

Schon vor über 50 Jahren wurden Unterschiede im Metabolismus des Tuberkulostaticums Isoniazid beobachtet, die durch den Acetyliererstatus des Patienten bedingt sind. Es wird unterschieden zwischen „schnellen“ (RA) „langsamen “ (SA) und "intermediären" (IA) Acetylierertypen. Der Phänotyp des „langsamen Acetylierers“ (SA) ist durch homozygote oder kombiniert-heterozygote Varianten in der kodierenden Region des NAT2-Gens bedingt, wobei vier variante Allele (NAT2*5a/b, *6a, *7a/b, *14a) besonders häufig vorkommen. NAT2-bedingte unerwünschte Arzneimittelwirkungen äußern sich bei "langsamen Acetylierern" z. B. als  periphere Neuropathie unter Isoniazidtherapie oder Hypersensitivität gegenüber Sulfonamiden, sowie bei "schnellen Acetylierern" durch Leukopenie unter der Einnahme von Amonafid, einem chemotherapeutischen Prodrug. Die Prävalenz der varianten NAT2-Allele zeigt starke ethnische Unterschiede: während in Europa 40-70% der Bevölkerung zu den "langsamen Acetylierern" zählen, gehören dieser Gruppe in Nordafrika ca. 90% und in der orientalischen Bevölkerung hingegen nur etwa 10% an.

Rolle von NAT beim Metabolismus aromatischer Amine



Arzneistoffe (Auswahl), die einer differentiellen
Acetylierung durch NAT2 unterliegen