Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Cumarin-und Cumarinderivat-Sensitivität [T88.7]

OMIM-Nummer: 122700, 601130 (CYP2C9), 608547 (VKORC1)

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Therapie mit Vitamin K-Antagonisten (z.B. Warfarin, Phenprocoumon (Marcumar) wird durch eine hohe Variabilität der individuell benötigten Dosis und des damit verbundenen Risikos einer Über- bzw. Unterantikoagulation erschwert. Schwere Blutungen oder Therapieresistenz können die Folge sein.

Sensitivität gegenüber Vitamin K-Antagonisten wird durch den Genotyp von CYP2C9 mitbestimmt. Die Allele CYP2C9*2 und CYP2C9*3 sind mit einem verminderten Metabolismus von Cumarin-Derivaten assoziiert. Träger dieser Allele benötigen geringere Dosen der Medikation, um einen therapeutisch wirksamen Spiegel aufrechtzuerhalten. Ein C>T-Polymorphismus in Nukleotidposition 1173 im Gen der Vitamin K-Epoxid-Reduktase (VKORC1) ist mit einer erniedrigten Erhaltungsdosis für die Träger des varianten T-Allels assoziiert. Dagegen benötigen Träger des C-Allels eine höhere tägliche Erhaltungsdosis von Vitamin K-Antagonisten, um eine therapeutisch ausreichende Antikoagulation zu erreichen. Die Häufigkeit des T-Allels in der kaukasischen Bevölkerungsgruppe beträgt ca. 40%. Die beiden Polymorphismen im CYP2C9- und VKORC1-Gen erklären bis zu 55% der interindividuellen Dosis-Varianz in der Therapie mit Vitamin K-Antagonisten. Daneben spielen Komedikation, Begleiterkrankungen und demographische Kovarianten (BMI, Alter, Ernährung etc.) eine große Rolle. Die Analyse des CYP2C9- und VKORC1-Gens kann bei Patienten mit besonders hohen bzw. niedrigen Dosisanforderungen einen Beitrag zur Therapieoptimierung leisten.