Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Clopidogrel-Therapie [T88.7]

OMIM-Nummern: 609535, 124020 (CYP2C19)

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Der Wirkstoff Clopidogrel ist ein Prodrug, dass erst im Körper in einen aktiven Metaboliten umgewandelt wird. Verschiedene Cytochrom P450-Enzyme sind an dieser Reaktion beteiligt. Die Umwandlung von Clopidogrel in 2-Oxo-Clopidogrel erfolgt vorwiegend durch CYP1A2, CYP2C19 und CYP2B6. Die weitere Umwandlung in den aktiven Metaboliten wird vornehmlich durch CYP3A4, CYP2C19, CYP2B6 und CYP2C9 vermittelt. Varianten in den Genen der beteiligten Enzyme, die zu einer herabgesetzten Enzymaktvität führen, können eine Clopidogrel-Resistenz bedingen. Im Vergleich zu Personen mit uneingeschränkter Metabolisierungskapazität weisen Träger von inaktivierenden CYP2C19-Genvarianten unter Clopidogrel-Gabe eine verringerte Thrombozytenaggregationshemmung und ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auf (z.B. Stent-Thrombose, Schlaganfall oder Herzinfarkt). Für betroffene Patienten kann eine Dosisanpassung oder eine andere Medikation (z.B. Prasugrel, Acetylsalicylsäure) in Erwägung gezogen werden. Aufgrund der Beteiligung von CYP2C19 an beiden Umwandlungsreaktionen sind Varianten in diesem Gen für die Therapie-Wirksamkeit von besonderer Bedeutung. Bei Bedarf können auch die anderen Enzyme untersucht werden. Der Zusammenhang zwischen CYP2C19-Genotyp und einer Clopidogrel-Resistenz hat bereits Eingang in die Fachinformation gefunden.

Clopidogrel-Metabolismus (mod. nach Dobesch P, Pharmacotherapy 29:1089, 2009)

 

Literatur

Scott et al, Clin Pharmacol Ther 94:317 (2013) / Swen et al, Clin Pharmacol Ther 89:662 (2011) / Fachinformation Plavix®