Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 24.05.2016

Butyrylcholinesterase (BCHE)-Defizienz und postoperative Apnoe [T88.7]

OMIM-Nummer: 177400 (BCHE)

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Postoperative Apnoe ist eine schwerwiegende Komplikation im Zusammenhang mit der Gabe von depolarisierenden Muskelrelaxantien (z.B. Suxamethonium, Mivacurium), die über das Enzym BCHE abgebaut werden. Weitere Substrate der BCHE sind Procain, Tetracain, Kokain und Heroin. Verschiedene Mutationen im BCHE-Gen können zu einer erniedrigten Enzymaktivität und damit zu einem verzögerten Metabolismus führen.

Die BCHE-Defizienz wird autosomal-rezessiv vererbt, d.h. beide Allele müssen betroffen sein, damit eine klinische Symptomatik auftritt. Bleibt die Defizienz unerkannt, können akut lebensbedrohliche Situationen im Verlauf und nach einer Narkose auftreten. Die A-Variante (atypische Variante, p.D70G) ist mit einer Reduktion der Enzymaktivität auf ca. 30% des Normwerts und schweren Narkose-Komplikationen assoziiert. Die K-Variante (p.A539T) dagegen ist mit einer moderaten Reduktion der Enzymaktivität auf ca. 70% des Normwerts assoziiert, wodurch klinisch normalerweise keine verlängerte Succinylcholin-Response zu beobachten ist. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass auch die K-Variante in Kombination mit anderen Faktoren (Schwangerschaft, Anticholinesterase-Medikation, Vorerkrankungen) klinisch relevant wird. Die Allelfrequenz der A-Variante wird mit ca 2% (Homozygotenfrequenz 1:3.500), die der K-Variante mit ca. 12% (Homozygotenfrequenz 1:100) in der kaukasischen Bevölkerungsgruppe angegeben. Die Analyse des BCHE-Gens kann als Stufendiagnostik angefordert werden, wobei in Stufe I die K- und A-Variante nachgewiesen werden. In Stufe II erfolgt eine Mutationssuche im gesamten BCHE-Gen zum Ausschluss seltener Mutationen.