Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Muskelatrophie, spinobulbär (SBMA, Kennedy Krankheit) [M62.59]

OMIM-Nummer: 313200, 313700 (AR)

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die spinobulbäre Muskelatrophie ist eine X-chromosomal-rezessiv vererbte, neurodegerative Erkrankung. Betroffene weisen klinisch eine proximale Muskelschwäche und -atrophie sowie Faszikulationen auf, die hauptsächlich die perioralen Muskeln betreffen. Weitere, häufig auftretende Merkmale sind Intentionstremor, Muskelkrämpfe, Schluckbeschwerden, eine periphere Androgenresistenz mit eingeschränkter Fruchtbarkeit und Gynäkomastie. Die Symptomatik beginnt meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und verläuft langsam progredient. Aufgrund des X-chromosomalen Erbganges betrifft die Erkrankung nur Männer. Heterozygote Frauen zeigen keine Symptome, können jedoch die Erkrankung übertragen.

Ursache der Erkrankung ist eine Degeneration von spinalen und bulbären α-Moto-Neuronen, die durch eine CAG-Triplett-Expansion im translatierten Bereich des Androgenrezeptor-Gens (AR-Gen) hervorgerufen wird. Während man bei Normalpersonen eine Folge von 12–35 Tripletts findet, tragen Betroffene 38–53 CAG-Kopien. Dies hat den Einbau einer zu langen Abfolge von Glutaminresten in das Androgenrezeptor-Protein zur Folge. Das Protein verliert seine ursprüngliche Struktur und damit seine eigentliche Funktion in den spinal und bulbär lokalisierten Motoneuronen.