Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Hyper-IgD-und-periodisches-Fiebersyndrom (HIDS) [R77.1]

OMIM-Nummer: 260920, 251170 (MVK)

Dr. rer. nat. Barbara Bangol, Dr. med. Kaimo Hirv

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Hyper-IgD-und-periodische-Fiebersyndrom (HIDS) gehört zu den seltenen angeborenen periodischen Fiebersyndromen. Weltweit geht man von einigen hundert HIDS-Fällen aus. HIDS wird autosomal-rezessiv vererbt und manifestiert sich fast ausnahmslos in der frühen Kindheit, meist bereits im ersten Lebensjahr. Die Fieberschübe treten in der Regel alle 4-8 Wochen auf und dauern ca. 3-7 Tage. Sie werden typischerweise von einer zervikalen Lymphadenopathie, Arthritis/Arthralgien, einem masernähnlichen Exanthem sowie abdominellen Schmerzen mit Durchfall und Erbrechen begleitet. Meist gehen den spezifischen Symptomen ausgeprägte Kopfschmerzen und Schüttelfrost voraus. Die Entwicklung einer Amyloidose ist sehr selten. In der Regel liegt eine kontinuierlich bestehende Erhöhung der IgD- (und IgA-) Serumkonzentration auf über 100 IU/ml vor, bei etwa 20 % der Fälle, v.a. bei kleinen Kindern, können die IgD-Spiegel jedoch auch innerhalb der Norm liegen. Für die Therapie des HIDS gibt es zurzeit noch keine anerkannten Leitlinien. Neben nichtsteroidalen Antiphlogistika kommen zunächst Kortikosteroide während der Fieberschübe zum Einsatz.

Ursache der Erkrankung sind Mutationen (v.a. missense-Mutationen) im MVK-Gen, das für die Mevalonatkinase, ein Schlüsselenzym der Cholesterolbiosynthese, kodiert. Der Zusammenhang zwischen Defekt in der Cholesterolbiosynthese und autoinflammatorischem Krankheitsbild ist bislang noch unklar. Mit HIDS assoziierte Mutationen führen zu einer verminderten Enzymaktivität, während Mutationen, die einen kompletten Funktionsverlust verursachen, zum schweren Krankheitsbild der Mevalonazidurie führen. Bei etwa 80 % der HIDS-Patienten liegt die Mutation V377I in Exon 11 in homozygoter Form oder in Kombination mit einer anderen Mutation vor.

Literatur

van der Burgh et al, Clin Immunol 147:197 (2013) / Mandey et al, Hum Mut 27:796 (2006) / Cuisset et al, Eur J Hum Genet 9:260 (2001) /  Houten et al, Eur J Human Genet 9:253 (2001) / Drenth et al, Nat Genet 22:178 (1999) / Houten et al, Nat Genet 22:175 (1999) / Drenth et al, Medicine (Baltimore) 73:133 (1994)