Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

HLA-Typisierung (Überblick)

Dr. med. Kaimo Hirv

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das HLA-System (humanes Leukozyten-Antigen-System) spielt eine entscheidende Rolle bei der T-Zell-vermittelten Immunantwort. Die Proteine des HLA-Systems sind hochpolymorphe Moleküle der Zellmembran, die Peptide binden und diese den T-Zellen präsentieren. HLA-Moleküle werden durch eine Vielzahl von Genen im Bereich der MHC-Region (Major Histocompatibility Complex) auf dem kurzen Arm von Chromosom 6 kodiert. Die Gene der MHC- Region werden 2 Klassen zugeordnet. Klasse I bilden die Loci HLA-A, -B, -C, während Klasse II die Loci HLA-DP, -DQ, -DR kodieren. Die klinische Bedeutung der HLA-Typisierung liegt zum einen in der Gewebetypisierung. Bei einer Organ- oder Stammzelltransplantation müssen Spender und Empfänger eine möglichst vollständige Übereinstimmung der MHC-Loci aufweisen, um das Risiko einer Abstoßungsreaktion zu minimieren und eine GvH-Reaktion zu vermeiden.


Zum anderen besteht eine Assoziation von mehr als 30 Erkrankungen mit bestimmten HLA-Merkmalen, die auf eine Krankheitsprädisposition hinweisen können. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um Autoimmunerkrankungen wie systemischem Lupus erythematodes (SLE), ankylosierende Spondylitis (M. Bechterew), multiple Sklerose (MS) oder insulinabhängiger Diabetes mellitus (IDDM) sowie um Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Anhand von Zwillingsstudien konnte gezeigt werden, dass bei der Ausprägung dieser Erkrankungen Umweltfaktoren eine wichtige Rolle zukommt, so dass bei genetisch prädisponierten Individuen in belasteten Familien die Erkrankungen sporadisch auftreten. So ist beispielsweise das Auftreten einer reaktiven Arthritis (Reiter-Syndrom) nach einer Darminfektion mit gramnegativen Erregern (Shigellen, Salmonellen, Yersinien) in fast allen Fällen mit dem HLA-B27-Antigen assoziiert, jedoch erkranken nicht alle HLA-B27-Träger an Reiter-Syndrom.

Literatur

Cano et al, Hum Immunol 68:392 (2007) / O’Dell et al, Ann Rheum Dis 57:209 (1998) / Nepom et al, J Rheumatol 23 (Suppl 44):5 (1996) / Todd et al, Science 240:1003 (1988)