Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Kallmann-Syndrom [E23.0]

OMIM-Nummer: 308700, 300836 (KAL1), 147950, 136350 (FGFR1), 244200, 607123 (PROKR2), 610628, 607002 (PROK2), 612702, 600483 (FGF8)

Dr. rer. nat. Annett Wagner, Dr. med Julia Höfele, Dr. med. Dagmar Wahl

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Kallmann- oder olfakto-genitale Syndrom ist durch genetische Heterogenität charakterisiert und kann sowohl sporadisch auftreten, als auch autosomal-dominant, autosomal-rezessiv und X-chromosomal vererbt werden (Häufigkeit 1:8.000 Männer bzw. 1:40.000 Frauen). Klinisch stehen zwei Leitsymptome im Vordergrund: Fehlender oder verminderter Geruchssinn (Anosmie oder Hyposmie) und hypogonadotroper Hypogonadismus (HH). In der Pubertät bleibt die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale aus oder verzögert sich. Die Serumkonzentrationen von FSH, LH und Testosteron bzw. Östrogen sind erniedrigt, so dass die Spermatogenese beim Mann und der Zyklus bei der Frau (Amenorrhoe) gestört sind.

Die X-chromosomal-rezessive Form des Kallmann-Sydroms (Xp22.3) wird durch Deletionen bzw. Mutationen im KAL1-Gen verursacht (ca. 8 % der Betroffenen). Das KAL1-Gen enthält auf 210 kb 14 Exons und kodiert für das Protein Anosmin-1, ein 95 kD Glykoprotein der extrazellulären Matrix. Bei fehlendem oder defektem Anosmin-1 können GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon)-produzierende und olfaktorische Neuronen nicht in den Hypothalamus auswandern. Die autosomal-dominante Form des Kallmann-Syndroms wird durch Mutationen im FGFR1 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-1)-Gen (ca. 10 % der Betroffenen) und im FGF8 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor-8)-Gen (ca. 2 % der Patienten) verursacht. Das FGFR1-(oder KAL2)-Gen enthält auf 55 kb 18 Exons (8p11.2-p11.1). Für die autosomal-rezessive Form sind Veränderungen in den Genen PROKR2 (20p13) und PROK2 (3p21.1) ursächlich (weitere ca. 9 % der Betroffenen).

Literatur

Hu & Bouloux, Trends Endocrin Metabol 21:385 (2010) / Dodé and Hardelin, Eur J Hum Genet 17:139 (2009) / Simoni and Nieschlag, Horm Res 67:149 (2007) / Tsai and Gill, Nat Clin Pract Endocrinol Metab 2:160 (2006) / Dodé and Hardelin, J Mol Med 82:725 (2004)