Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

FSH-Rezeptor-Defizienz [N97.9]

OMIM-Nummer: 233300136435 (FSHR)

Dr. rer. nat. Annett Wagner, Dr. med. Dagmar Wahl

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das follikelstimulierende Hormon (FSH) spielt durch Stimulation der Östrogenproduktion in den Granulosazellen eine wichtige Rolle bei der hypothalamisch-hypophysär gesteuerten Eizellreifung im Ovar der Frau. Beim Mann ist FSH an der Reifung der Spermatozoen in den Testes beteiligt. Die FSH-Rezeptor-Defizienz (FSHR-Defizienz) ist eine seltene Störung, die im weiblichen Geschlecht zu verzögerter Pubertät, primärer Amenorrhoe und Infertilität, sowie beim Mann zu einer Störung der Spermatogenese führt.

FSHR-Defizienz wird autosomal-rezessiv vererbt. Das FSHR-Gen liegt auf Chromosom 2p16.3, umfasst 10 Exons und kodiert für ein Protein mit 695 Aminosäuren. Veränderungen im FSHR-Gen können funktionell in drei Gruppen unterteilt werden: Aktivierende, inaktivierende und neutrale Mutationen. Aktivierende Mutationen bewirken ein gesteigertes Ansprechen des FSH-Rezeptors auf FSH, wodurch es zu einem ovariellen Hyperstimulationssyndrom kommen kann. Inaktivierende Mutationen hingegen führen zu einer verminderten FSH-Antwort, was in der Regel einen kompensatorischen Anstieg von FSH im Serum zur Folge hat. Neutrale Mutationen haben nach dem derzeitigen Wissenstand keine funktionelle Bedeutung.

Literatur

Lussiana et al, Obstet Gynecol Surv 63:785 (2008) / Behre et al, Pharmacogenetics and Genomics 15:451 (2005)