Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 26.10.2015

Congenitale bilaterale Aplasie des Vas deferens (CBAVD) [Q55.4]

OMIM-Nummer: 277180, 602421 (CFTR)

Dr. rer. biol. hum. S. Chahrokh-Zadeh, Dr. rer. nat. Annett Wagner

Wissenschaftlicher Hintergrund

CBAVD führt zu männlicher Infertilität und kann isoliert oder als Manifestation der Cystischen Fibrose (CF, Mukoviszidose) auftreten. Eine durch degenerative Veränderungen bedingte Obstruktion der Transportkanäle im männlichen Genitalsystem ist für die Infertilität verantwortlich. CBAVD versteht sich als eine atypische Form der CF oder CFTR-RD (related disease) und wird durch Mutationen im CFTR-Gen verursacht. Diese Mutationen führen durch Funktionsstörungen eines Chloridkanals in der apikalen Zellmembran von Drüsenepithelzellen zur Änderung des Salzgehaltes des Schweißes und anderer Körpersekrete.

Die Heterozygotenfrequenz für CFTR-Mutationen in der kaukasischen Bevölkerung wird auf 1:25 geschätzt. Allerdings findet man bei CBAVD andere Mutationen als bei CF, in 40-50% der Fälle sind hier bei Kaukasiern drei Mutationen: F508del, R117H und das 5T-Allel nachweisbar. Typisch für CBAVD ist eine Kombination aus einer „schwerwiegenden“ (z. B. F508del) und einer „milden“ Mutation (z. B. R117H) oder zwei „milden“ Mutationen. Ist nur eine Mutation nachweisbar, so muss dennoch von einer zweiten Mutation ausgegangen werden, die mit heutigen Untersuchungsmethoden nicht nachweisbar ist. Es wird empfohlen, vor einer geplanten künstlichen Befruchtung (ICSI) auch die Partnerin eines CFTR-Mutationsträgers auf Mutationen im CFTR-Gen zu untersuchen. Bei Nachweis einer CFTR-Mutation bei beiden Partnern besteht ein Risiko für das Auftreten einer Mukoviszidose bei Kindern, weshalb eine genetische Beratung zu empfehlen ist.