Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 15.03.2016

Androgeninsensitivitätssyndrom (AIS) [34.59]

OMIM-Nummer: 300068313700 (AR)

Dr. rer. nat. Annett Wagner, Dr. med. Dagmar Wahl

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Androgeninsensitivität ist bei einem 46,XY-Karyotyp durch Feminisierung des äußeren Genitale bei der Geburt, eine gestörte Pubertätsentwicklung sowie eine daraus resultierende Infertilität charakterisiert. Die Häufigkeit wird in der kaukasischen Bevölkerung mit 1:20.000 - 40.000 angegeben. Die durch unterschiedliche Fehlfunktionen in der Androgenwirkung hervorgerufene Sexualdifferenzierungsstörung wird in drei Phänotypen unterteilt:

  • Komplette Androgeninsensitivität (CAIS) mit weiblichem Phänotyp
  • Partielle Androgeninsensitivität (PAIS) mit überwiegend weiblichem oder männlichem Phänotyp
  • Minimale Androgeninsensitivität (MAIS) mit männlichem Phänotyp

Patienten mit CAIS haben weibliche äußere Genitalien, meist mit blind endender Vagina bei männlichem Karyotyp und fallen in der Pubertät durch ein Ausbleiben der Pubes- und Achsillarbehaarung bei vorhandenem Brustwachstum auf. 1/3 der Betroffenen entwickelt rudimentäre Tuben, und als Ausdruck prolabierter Gonaden treten bilaterale Leistenhernien gehäuft auf. Patienten mit PAIS zeigen eine hohe phänotypische Variabilität, die von überwiegend weiblichem äußeren Genitale mit Klitorishypertrophie bis zu überwiegend männlichem äußeren Genitale mit Mikropenis, Hypospadie und Kryptorchismus reicht. Bei Patienten mit MAIS liegt ein äußeres männliches Genitale z. T. mit minimalen Auffälligkeiten wie koronarer Hypospadie mit oder ohne Einschränkung der Fertilität vor.

Die AIS wird X-chromosomal vererbt. Die Detektionsrate von Mutationen im Androgenrezeptor-Gen (AR) liegt bei CAIS-Patienten bei 95%, bei PAIS-Patienten unter 50% und ist bei MAIS-Patienten noch niedriger. Es sind mehr als 800 krankheitsverursachende Mutationen bekannt, die überwiegend in den Exons 2-8 lokalisiert sind.

Zusätzlich enthält das AR-Gen eine CAG-Repeat von 13-31 Wiederholungen. Eine Repeat-Expansion verursacht die Spinobulbäre Muskelatrophie (Kennedy Disease).