Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 27.05.2016

Chronische myelomonozytäre Leukämie [C93.1]

OMIM-Nummer: 607785612839 (TET2), 165360 (CBL), 612990 (ASXL1), 601573 (EZH2), 151385 (RUNX1), 164790 (NRAS), 190070 (KRAS),

Dipl.-Ing. (FH) Tanja Hinrichsen

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die chronische myelomonozytäre Leukämie (CMML) ist eine klonale hämatopoetische Neoplasie mit überlappenden Eigenschaften der myeloproliferativen Neoplasien und der myelodysplastischen Syndrome. Daher ist die CMML auch klinisch, morphologisch und hämatologisch sehr heterogen und variiert von prädominierend myelodysplastischer bis vornehmlich myeloproliferativer Natur. Das Hauptkennzeichen der CMML ist eine persistierende Monozytose > 1x109/L im peripheren Blut. Die CMML läßt sich in 2 Subkategorien, CMML-1 und CMML-2, basierend auf der Blastenanzahl und der Promonozyten im peripheren Blut und Knochenmark einteilen. Bei der CMML-1 beträgt der Blastenanteil (inkl. Promonozyten) <5% im peripheren Blut und <10% im Knochenmark. Bei der CMML-2 beträgt der Blastenanteil (inkl. Promonozyten) 5-19% im peripheren Blut und 10-19% im Knochenmark. Zytogenetische Veränderungen findet man in 20-40% der CMML-Patienten, wobei jedoch keine spezifisch ist. Die häufigsten sind eine Trisomie 8, Monosomie 7/Deletion 7q sowie strukturelle Veränderungen in 12p.

Etwa 40-50% der CMML-Patienten zeigen Mutationen im TET2-Gen. Das TET2-Gen gilt als putatives Tumorsuppressorgen, da es vermutlich an aktiven und passiven DNA Demethylierungsprozessen beteiligt ist. Neben Deletionen finden sich sowohl Frameshift-, Nonsense- als auch Missense-Mutationen in TET2. Dabei finden sich die Mutationen in allen Exons, jedoch vorrangig in Exon 3 und 11. CMML Patienten mit einer TET2-Mutation scheinen eine günstigere Prognose als Patienten ohne TET2-Mutation zu haben. Etwa 20% der CMML Patienten zeigen Mutationen im CBL-Gen. Die klinische Relevanz muss allerdings noch geklärt werden. Jedoch scheinen TET2- und CBL-Mutationen ein frühes pathogenetisches Ereignis zu sein. Weitere Mutationen finden sich mit etwa 10% im RUNX1-Gen und etwa 30% im RAS-Gen. Mutationen in NRAS bzw. KRAS scheinen ein sekundäres Ereignis darzustellen und  sind mit einer ungünstigen  Prognose assoziiert. Patienten mit Mutationen im RUNX1-Gen scheinen ein erhöhtes Risiko einer AML-Transformation zu haben. Jedoch konnte dies nicht statistisch signifikant nachgewiesen werden. Mutationen im ASXL1-Gen und im EZH2-Gen sind ebenfalls mit einem ungünstigen Krankheitsverlauf assoziiert.