Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 31.03.2016

Essentielle Thrombozythämie (ET) [D47.3]

OMIM-Nummer: 187950, 147796 (JAK2)159530 (MPL), 109091 (CALR)

Dipl.-Ing. (FH) Tanja Hinrichsen

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die ET gehört zu den myeloproliferativen Neoplasien (s. MPN), bei der vor allem die megakaryozytäre Reihe betroffen ist. Die Inzidenz wird mit 0,6 - 2,5:100.000/Jahr angegeben, die Erkrankung tritt meist im Alter von 50-60 Jahren auf. Zunächst sollte eine PV, PMF, CML oder andere myeloproliferative Neoplasien ausgeschlossen werden. Zu den molekulargenetisch-diagnostischen Kriterien der ET gehört die JAK2-V617F-Mutation, die zu einer Dysregulation der Kinaseaktivität führt und bei ca. 60% der Patienten mit ET nachweisbar ist.

In ca. 5% der Fälle können die Mutationen W515Loder im MPL-Gen (Myeloproliferatives-Leukämie-Virus-Onkogen) nachgewiesen werden, welches für den Thrombopoetin-Rezeptor kodiert. Die Mutationen führen zu einem Aminosäureaustausch von Tryptophan nach Leucin (W515L), Lysin (W515K) oder Alanin (W515A) und somit zu einer konstitutiven Aktivierung des JAK-STAT-Signalweges. Eine weitere Mutation (MPL-S505N) wurde im Zusammenhang mit familiärer ET beschrieben. Es sind auch andere, seltenere MPL-Varianten (A506T, A519T, L510P) beschrieben, deren klinische Relevanz bislang aber unklar ist.

Weitere ca. 50% der Fälle, die keine Mutationen im JAK2- bzw. MPL-Gen aufweisen, zeigen Mutationen im CALR-Gen. Dabei handelt es sich um verschiedene somatische Deletions- bzw. Insertionsmutationen in Exon 9, die zu einem Frameshift und somit zu einem spezifischen, alternativen Leserahmen führen. CALR codiert für ein Ca2+-bindendes Chaperon des endoplasmatischen Retikulums. ET-Patienten mit CALR-Mutationen sind im Verlgeich zu JAK2-V617F- bzw. MPL-mutationspositiven ET-Patienten jünger, haben eine deutlich erhöhte Thrombozytenzahl, niedrigeres Hämoglobin, verminderte Leukozytenzahlen sowie ein geringeres Thromboserisiko.

Zum Zeitpunkt der Diagnose sind zytogenetische Veränderungen bei ca. 5-10% der Patienten mit ET detektiertbar. Zu den beobachteten, aber nicht beständigen Veränderungen gehören Trisomie 8, Deletionen im langen Arm von Chr. 20 und Deletionen im kurzen Arm von Chr. 9.