Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Myeloproliferative Neoplasien (MPN) - Einleitung

MPN beschreiben eine Klasse klonaler hämatopoetischer Stammzell-Erkrankungen, die durch Proliferation einer oder mehrer Vertreter der myeloiden Zellreihe charakterisiert sind. MPN treten vor allem bei Erwachsenen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren auf (Inzidenz ca. 6 - 10:100.000/Jahr) und sind charakterisiert durch eine Hyperzellularität des Knochenmarks mit effektiver Hämatopoese und einer erhöhten Anzahl Erythrozyten, Granulozyten und/oder Thrombozyten im peripheren Blut. Zusätzlich zeigt sich meist eine Hepatosplenomegalie.

Man unterscheidet die MPN in folgende Untergruppen:

Da CML, PV, ET und PMF überlappende biologische und klinische Eigenschaften besitzen, sollte zunächst eine CML sicher abgegrenzt werden. Dies ist durch den zytogenetischen Nachweis einer Philadelphia-Translokation t(9;22)(q34;q11.2) mittels Chromosomenanalyse, FISH oder molekulargenetischen Analyse des BCR-ABL1-Fusionsgens möglich. Die meisten MPN sind mit erworbenen genetischen Veränderungen, welche zytoplasmatische Tyrosinkinasen oder Rezeptor-Tyrosinkinasen betreffen, assoziiert. Mutationen in diesen Genen führen zu konstitutiv aktivierten Tyrosinkinasen und einer abnorm gesteigerten Zellproliferation.


Es scheint auch eine genetische Prädisposition für die Entwicklung einer MPN zu geben. So zeigen Verwandte ersten Grades von Patienten mit MPN ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer MPN. Die polymorphe 46/1 SNP-Variante (rs1327494) im JAK2-Gen ergibt ein 3-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer JAK2 positiven MPN und ein 1,4-fach erhöhtes Risiko für MPL-Mutationen. Der SNP rs2853677 A/G im Telomerase Reverse Transkriptase (TERT)-Gen ist ebenfalls mit einer Prädisposition für MPN beschrieben.

Zu den myelodysplastischen/myeloproliferativen Neoplasien (MDS/MPN) zählen myeloische Neoplasien mit klinischen und morphologischen Eigenschaften, die zwischen MDS und MPN überlappen. Der Karyotyp ist häufig normal oder zeigt Veränderungen, die beim MDS verbreitet sind. Eine zielgerichtete Analyse häufig mutierter Gene kann vor allem bei normalem Karyotyp hilfreich sein, die Diagnose zu sichern.

Man unterscheidet die MDS/MPN in folgende Untergruppen:


Zusätzlich gibt es noch myeloische/lymphatische Neoplasien mit Eosinophilie und Rearrangements von PDGFRA, PDGFRB  oder FGFR1 oder mit PCM1-JAK2.

Literatur

Arber DA et al., 2016 Blood, 127(20):2391 / Geyer JT et al., 2016 Int J Lab Hematol, doi: 10.1111/ijlh.12509 / Singh NR, Transl Pediatr. 2015 Apr;4(2):107