Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 27.05.2016

Myeloproliferative Neoplasien (MPN) - Einleitung

MPN beschreiben eine Klasse klonaler hämatopoetischer Stammzell-Erkrankungen, die durch Proliferation einer oder mehrer Vertreter der myeloiden Zellreihe charakterisiert sind. MPN treten vor allem bei Erwachsenen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren auf (Inzidenz ca. 6 - 10:100.000/Jahr) und werden in 2 Hauptklassen unterschieden: 

  • Ph-Translokation-positive chronisch myeloische Leukämie (CML)
  • Ph-Translokation-negative MPN (PV, ET und PMF)

Zu den weniger häufigen Erkrankungen gehören die chronische Neutrophilenleukämie (CNL), chronische Eosinophilenleukämie (CEL) (auch hypereosinophiles Syndrom (HES)) und die Mastozytose. Eine weitere Gruppe stellen die myelodysplastischen/myeloproliferativen Neoplasien dar, zu denen die chronische myelomonozytische Leukämie (CMML), die atypische BCR-ABL-negative CML und die juvenile myelomonozytische Leukämie (JMML) zählen. Da CML, Polyzythämia vera, Essentielle Thrombozythämie und Primäre Myelofibrose sich überlappende biologische und klinische Eigenschaften besitzen, sollte zunächst eine CML sicher abgegrenzt werden. Dies ist durch den zytogenetischen Nachweis einer Philadelphia-Translokation t(9;22)(q34;q11.2) mittels Chromosomenanalyse, FISH oder molekulargenetischer Analyse möglich. Die meisten MPN sind mit erworbenen genetischen Veränderungen, welche zytoplasmatische Tyrosinkinasen oder Rezeptor-Tyrosinkinasen betreffen, assoziiert. Translokationen oder Punktmutationen in diesen Genen führen zu konstitutiv aktivierten Tyrosinkinasen und einer abnorm gesteigerten Zellproliferation. Mutationen im JAK2-Gen spielen eine wichtige Rolle bei der Pathogenese von PV, ET und PMF. Bei der systemischen Mastozytose hingegen findet sich meist die D816V-Mutation im KIT-Gen, welches für eine Rezeptor-Tyrosinkinase kodiert. Bei MPN mit Eosinophilie sollten Rearrangements der Gene PDGFRA (4q12), PDGFRB (5q31-q33) und FGFR1 (8p11) mittels Chromosomenanalyse und FISH nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden.