Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Indolente B-Zell-Lymphome [C85.9]

OMIM-Nummer: 151430, 168461 (IGH-CCND1), 151430 (BCL2), 191170 (TP53), 608413 (UBR5)

Dipl.-Ing. (FH) Tanja Hinrichsen

Wissenschaftlicher Hintergrund

Etwa 80-85% der Non-Hodgkin-Lymphome sind B-Zell-Neoplasien. Die Klassifikation und Nomenklatur von B-Zell-Neoplasien basiert auf ihrer Ähnlichkeit zu normalen Stadien der B-Zell-Differenzierung. Für die Diagnose der meisten B-Zell-Lymphome sind die Morphologie und der Immunphänotyp (s. Immunbiologie) ausreichend. Da die meisten B-Zell-Neoplasien allerdings auch charakteristische genetische Veränderungen aufweisen, kann die Tumorzytogenetik sehr nützliche Informationen für die Differentialdiagnose liefern.

Chronische lymphatische Leukämie (siehe CLL)

Die B-Zell prolymphozytische Leukämie (B-PLL) ist eine seltene Erkrankung mit einem ungünstigen Krankheitsverlauf. Sie zeigt häufig einen komplexen Karyotyp, in 50% der Fälle Deletionen in 17p13 und in 27% der Fälle Deletionen von 13q14.

Das splenische Marginalzonen-Lymphom macht etwa 2% der lymphoiden Neoplasien aus und zeigt einen trägen Krankheitsverlauf. In ca. 40% der Fälle zeigt sich eine Deletion 7q31-32. Weitere Veränderungen betreffen die Region 7q21 sowie partielle Trisomien des langen Arms von Chromosom 3.

Haarzellleukämie (etwa 2% der lymphoiden Neoplasien) (siehe Haarzellleukämie).

Das MALT-Lymphom (etwa 7-8% der lymphoiden Neoplasien) zeigt einen trägen Krankheitsverlauf. In Abhängigkeit vom Entstehungsort der Erkrankung finden sich vor allem die Translokationen t(11;18)(q21;q21), t(1;14)(p22;q32), t(14;18)(q32;q21) und t(3;13)(p14.1;q32).

Das Follikuläre Lymphom macht etwa 20% der lymphoiden Neoplasien aus. Der Krankheitsverlauf ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Follikuläre Lymphome sind durch die Translokation t(14;18)(q32;q21) sowie BCL2-Rearrangements charakterisiert. Das IGH/BCL2-Fusionsgen kann in den meisten Fällen auch mittels qualitativer PCR nachgewiesen werden. Zusätzlich finden sich in 90% der Patienten Verluste von 1p, 6q, 10q und 17p sowie Zugewinne von Chromosomen 1, 6p, 7, 8, 12q, X und 18q/dup. Veränderungen von 3q27 und/oder BCL6-Rearrangements finden sich in 5-15% der Fälle, vor allem bei Grad 3B.

Das Mantelzell-Lymphom (ca. 3-10% der NHL) zeigt eine mittlere Überlebenszeit von 3-5 Jahren. Die Translokation t(11;14)(q13;q32) mit dem CCND1/IGH-Fusionsgen ist in nahezu allen Fällen vorhanden und gilt als ein erstes Ereignis. Auch dieses Fusionsgen ist in 40% der Fälle mittels qualitativer PCR nachweisbar. Mantelzell-Lymphome sind durch eine große Anzahl sekundärer Veränderungen gekennzeichnet: Zugewinne von 3q26, 7p21 und 8q24 sowie Verluste von 1p13-p31, 6q23-q27, 9p21, 11q22.3, 13q11-q13, 13q14-q24 und 17p13 sowie eine Trisomie von Chromosom 12.

Diffuse, großzellige B-Zell-Lymphome (DLBCL) (etwa 25-30% der NHL) zeigen in mehr als 30% der Fälle Translokationen mit der Region 3q27. Translokationen mit Beteiligung des BCL2-Gens (18q21) finden sich in 20-30% der Fälle. MYC-Rearrangements (8q24) sind mit komplexen genetischen Veränderungen assoziiert.

Basisdiagnostik B-Zell-NHL

  • Differentialblutbild (Morphologie)
  • Zytochemie
  • Immunphänotypisierung

(s. auch Kapitel Klin. Chemie/Immunbiologie)

Literatur

Meissner B et al, Blood, 18;121(16):3161 (2013) / Jaffe et al., Campo et al, Isaacson et al, Foucar et al, Harris et al, Swerdlow et al, Stein et al, WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues 183 (2008) / Largo et al, Haematol 91:184 (2006) / Chen et al, Blood 107:2477 (2006) / Bea et al, Blood 106:3183 (2005)